Autobiografische Züge

Robert Schneider wird am 16. Juni 1961 in Bregenz geboren, von seinen unbekannten leiblichen Eltern jedoch direkt nach der Geburt in einem SOS-Kinderdorf abgegeben. Ein wohlhabendes Ehepaar adoptiert Schneider (sowie später noch drei weitere Kinder), schenkt dem Jungen allerdings offenbar nur geringe Zuwendung. Die komplexen, ungewöhnlichen Familienverhältnisse, wie sie sich auch unter den Dorfbewohnern von Eschberg in Schlafes Bruder finden, sind also bereits ebenso in Robert Schneiders Biografie angelegt wie die mangelnde Zuneigung zwischen Eltern und Nachwuchs.

Ebenso wie Elias Alder, Schlafes Bruders Protagonist aus der fiktiven vorarlbergischen Gemeinde Eschberg, wächst auch Robert Schneider in einem kleinen Bergdorf namens Meschach in den Rheintalalpen auf und fühlt sich dort nach eigenen Angaben nie wirklich heimisch. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung[1] berichtet Schneider, dass er selbst unter der Musik- und Literaturlosigkeit seines Elternhauses gelitten habe. Ebenso wie seine Hauptfigur Elias kommt auch Schneider beim sonntäglichen Kirchenbesuch über das „abscheulich[e]“ Orgelspiel des Dorforganisten zum ersten Mal mit Musik in Kontakt und übernimmt später während seines Studiums die Aufgaben des Organisten – allerdings wesentlich erfolgreicher als dieser.

Auch Robert Schneider bekommt die Schweigsamkeit der vorarlbergischen Dorfbewohner am eigenen Leib zu spüren: „Bergbauern arbeiten und reden nicht“,[2] sagt Schneider, erst recht nicht über die Liebe – ein weiteres Element, das in Schlafes Bruder zum Tragen kommt. Doch wie später seine Hauptfigur Elias Alder findet auch Robert Schneider durch die Musik eine eigene Ausdrucksmöglichkeit. Später kommt für Schneider als Autor noch die Literatur hinzu, durch die er seine Gefühle kanalisieren kann. Anders als El...

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