Rico

Der herzliche Sohn

Frederico Doretti, genannt Rico, ist der Hauptprotagonist und Ich-Erzähler des Romans „Rico, Oskar und die Tieferschatten“. Er hat deshalb einen italienischen Namen, weil sein Vater Italiener war (vgl. S. 37). Sein Vater ist allerdings, laut seiner Erzählung, im Meer ertrunken.

Die zehnjährige Halbwaise lebt mit seiner Mama in einem Mietshaus in der Dieffenbachstraße 93 in Berlin-Kreuzberg, Deutschland. Der Junge hat eine liebevolle Beziehung zu seiner alleinerziehenden Mutter. Mit ihr geht er jeden Dienstag Bingo spielen (vgl. S. 11). Er findet, dass sie sehr hübsch ist, und bemerkt auch, wenn andere Männer sie in der Öffentlichkeit ansehen (vgl. S. 17, S. 139). 

Er hat Verständnis dafür, dass seine Mutter ihn manchmal allein lässt, und hält sie deshalb nicht für verantwortungslos (vgl. S. 22). Der Junge mag es sehr, wenn seine Mama sich in irgendeiner Weise um ihn kümmert (vgl. S. 24), aber er kann es nicht leiden, wenn sie so spricht, dass er sie nicht verstehen kann (vgl. S. 25). Er hat Angst, dass seine Mama auch irgendwann traurig wird, wenn sie allein bleibt (vgl. S. 69). 

Der tiefbegabte Junge

Rico leidet unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) und besucht keine normale Schule, sondern ein Förderzentrum in der Nähe seiner Wohnung. Seine Mama bezeichnet es trotzdem als Schule, weil ihr Sohn das Wort „Förderzentrum“ nicht mag (vgl. S. 18). Rico charakterisiert sich selbst als „tiefbegabt“: „Das bedeutet, ich kann zwar sehr viel denken, aber das dauert meistens etwas länger als bei anderen Leuten.“ (S. 11). 

Rico verliert beim Sprechen oft den roten Faden und kann beispielsweise links und rechts sowie Ost, West, Nord und Süd nicht auseinanderhalten (vgl. S. 15). Simon Westbühl, den neuen Nachbarn, nennt er meist nur den „Bühl“, da er die Himmelsrichtung in seinem Namen verwirrend findet (vgl. S. 57). Aufgrund seiner Orientierungsprobleme kann er sich Wege nicht gut merken (vgl. S. 29ff) und bleibt lieber in der Dieffenbachstraße, in der er allein einkaufen gehen kann, weil alle Geschäfte auf einer Linie liegen (vgl. S. 29). Er geht immer allein nach oben Richtung Landwehrkanal, und zwar immer geradeaus, über die Admiralsbrücke bis zum Förderzentrum.

Rico vergleicht seine Gedanken gerne mit einer Bingotrommel, in der die Bingokugeln umherrollen (vgl. S. 11). Wenn er sich aufregt oder wütend ist, werden diese Bingokugeln rot und klackern wild durcheinander (vgl. S. 35). Manchmal setzt er sich dann in den „Nachdenksessel“, einen gemütlichen Sessel im Wohnzimmer, um die Bingokugeln in seinen Gedanken zu beruhigen (vgl. S. 96). 

Beim Rechnen hat er große Schwierigkeiten (vgl. ebd.) und Namen kann er auch nicht gut behalten (vgl. S. 41). Der Junge findet sein Handicap allerdings nicht schlimm. Er schafft es, der Krankheit etwas Positives abzugewinnen: „Ich habe fast dauernd gute ...

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