Du musst das Leben nicht verstehen

Einleitung

Jung, positiv und verliebt betrachtet der 23- jährige Rainer Maria Rilke das Leben als ein wertvolles Geschenk, als er am 8. Januar 1898 in Berlin-Wilmersdorf sein Gedicht „Du musst das Leben nicht verstehen“ verfasst. Das Gedicht gehört zu dem Frühwerk des Dichters und wird erst im Jahre 1899 in der Gedichtsammlung „Mir zur Feier“ veröffentlicht. 

Zwei Jahre zuvor hat er im Mai 1996 seine erste große Liebe, die fünfzehn Jahre ältere Literatin Lou Andreas-Salomé, in München kennengelernt. Mit seiner Muse reist er im Januar 1897 nach Prag, im März bis April nach Arco, Venedig und Meran. Die beiden leben von Juni bis August wieder in Wolfratshausen, dann bis Oktober in München. 

Anschließend folgt Rilke der verheirateten Lou nach Berlin und bezieht dort eine Wohnung in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Womöglich haben sein neuer Lebensraum in der Hauptstadt sowie seine glückliche Zeit mit Lou Andreas-Salomé ihn zu diesen Zeilen bewogen.

Form, Metrum und Reimschema

Das Gedicht „Du musst das Leben nicht verstehen“ besteht aus zwei Strophen. Die erste Strophe hat fünf, die zweite sechs Verse. Das vorherrschende Metrum ist ein vierhebiger Jambus. Eine Ausnahme findet sich in der vierten Verszeile. Diese weist zwar vier Hebungen, jedoch kein bestimmtes Versmaß auf. Eine weitere Ausnahme bildet die Verszeile neun. Diese weist ebenso vier Hebungen auf, beginnt aber mit einem Trochäus und setzt sich dann jambisch fort.  

Das Reimschema ist abaab - cdcccd. Die Kadenzen variieren dem Reimschema entsprechend, wobei die a-Verse und die c-Verse eine weibliche Kadenz, die b-Verse und die d-Verse aber eine männliche Kadenz aufweisen. 

Analyse 

(Die in der Analyse zitierten Sprach- und Stilmittel werden am Ende des Dokuments aufgelistet und mit Beispielen aus dem Gedicht veranschaulicht)

1. Strophe

Die erste Strophe besteht aus zwei Sätzen. Den ersten Satz bilden die ersten beiden Verszeilen: „Du musst das Leben nicht verstehen, / dann wird es werden wie ein Fest“ (V. 1f.). Die erste Verszeile ist zugleich auch der Titel des Gedichts. 

Mit einem freundschaftlichen und persönlichen „Du“ (V. 1) spricht das Lyrische Ich den Lesenden an. Sogleich wird auf diese Weise eine Situation geschaffen, die sich anfühlt, als würde einem ein Freund oder eine nahestehende Person einen Rat erteilen. Der Aufbau des Satzes basiert auf einer Wenn-dann-Beziehung: Wenn man nicht versucht, das Leben zu begreifen, dann wird es werden wie ein Fest. 

Die zweite Verszeile der Strophe ist durch eine Alliteration geprägt und obwohl sich die beiden Verse nicht reimen, eint sie der gleiche Anlaut der letzten be...

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