Vergleich Agnes / Homo Faber

Die Romane „Agnes“ von Peter Stamm und „Homo Faber“ von Max Frisch weisen einige Gemeinsamkeiten auf, zum Beispiel in der Grundhandlung oder in der Charakterisierung der Hauptpersonen. Aber es gibt auch viele kleine Details, die Peter Stamms Roman wie eine Hommage an den berühmten Vorgänger erscheinen lassen. Ein sehr häufig erkennbares Detail ist das Todesmotiv, das sich deutlicherweise durch beide Romane zieht.

Parallelen in der Handlung

Die Grundkonstruktion der Geschichten „Homo Faber“ und „Agnes“ gleichen einander: Beide sind Liebesgeschichten, die tragisch enden. Im weitesten Sinne dadurch, dass die Icherzähler in die Leben der beiden weiblichen Hauptpersonen treten, sterben beide Frauen am Ende der Handlung. In „Agnes“ hat der Icherzähler jedoch weitaus deutlicher aktiven Einfluss auf den Tod seiner Freundin, wenn auch unabsichtlich: Er schreibt eine Geschichte über sie, in der er ihr literarisches Alter Ego Selbstmord begehen lässt. Die wirkliche Agnes folgt diesem Beispiel und bringt sich um – wenn man der Aussage des Erzählers, dass sie tot sei, glauben will (S. 9).

Walter Faber dagegen, der Icherzähler in Max Frischs Roman, tut nichts Spezifisches, um den Tod seiner Geliebten zu fördern – Elisabeth wird von einer Schlange gebissen und erliegt im Krankenhaus einer unentdeckten Kopfverletzung vom Sturz nach dem Biss (Homo Faber, S. 160).

Die weiblichen Hauptpersonen

Es gibt einige Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten zwischen der Titelheldin Agnes und den Frauen Elisabeth und Hanna Piper, den weiblichen Hauptpersonen aus „Homo Faber“.

Elisabeth ist eine junge Frau, Anfang zwanzig, die an der Yale-Universität studiert hat (Homo Faber, S. 82). Sie hat deutsch-schweizerische Eltern, lebt aber in den Vereinigten Staaten.

Auch Agnes ist eine akademisch gebildete Frau. Sie hat an der Chicagoer Universität Physik studiert und schreibt an ihrer Doktorarbeit (S. 20). Agnes ist 25 Jahre alt (ebd.), also altersmäßig nicht weit von Elisabeth entfernt.

Agnes wirkt ziemlich emanzipiert und selbstständig. Ein Beispiel dafür ist ihre Reaktion darauf, als ihr Freund in seiner Geschichte über sie schreibt, sie sei ihm dankbar, dass er sie gefragt habe, ob sie mit ihm zusammenziehen wolle. Agnes reagiert mit Entrüstung und boxt dem Erzähler in die Rippen (S. 66).

Auch Elisabeth Piper wirkt im Großen und Ganzen sehr selbstständig und stark. Man muss bedenken, dass die Geschichte in den 1950er-Jahren spielt  – Elisabeth hat studiert und reist mit einem Mann in der Welt herum, an dem sie nur mäßig interessiert ist (Homo Faber, S. 120). Sie trägt das Erbe ihrer Mutter Hanna, der die eigene Emanzipation sehr wichtig war (Homo Faber, S. 183).

Zwischen Hanna und Agnes gibt es auch Parallelen: Äußerlich sind sie beide sehr natürlich und wirken nicht kosmetisch gekünstelt (Agnes, S. 14; Homo Faber, S. 79).

Als die Frauen Agnes und Hanna schwanger werden und von den Erzeugern Ablehnung erfahren, reagieren sie beide gleich: Sie verlassen die Männer und wollen sich neue, zuverlässige Partner suchen. Hanna begibt sich zu Walter Fabers Freund Joachim, dem Arzt, doch statt ihn die Abtreibung durchführen zu lassen, kommt sie mit ihm zusammen und zieht mit ihm das Kind groß (Homo Faber, S. 57). Auch die schwangere Agnes plant, nachdem sie ihren Freund verlassen hat, nach New York zu gehen und bei ihrer alten Jugendliebe Herbert zu leben, von dem sie weiß, dass er sie liebt (S. 94). Doch durch die Fehlgeburt kommt es nicht dazu.

Die

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