Figurenkonstellation

Die beiden Hauptpersonen des Romans sind Agnes und der Icherzähler. Ihre Liebesgeschichte steht im Mittelpunkt der Handlung. Obwohl die beiden viel Zeit gemeinsam verbringen, ist auffällig, dass sie kaum gemeinsame Bekannte haben. Jeder der beiden Hauptfiguren lebt sozusagen in einer eigenen Welt außerhalb der Wohnung, die sie teilen: Agnes geht zur Universität, wo ihr Professor sie anleitet. Der Icherzähler ist Sachbuchautor, und er vertröstet hin und wieder seinen Verleger auf eine längere Wartezeit. Der Icherzähler hat eine Affäre mit Louise, Agnes hatte früher eine kleine Romanze mit einem Schauspieler namens Herbert. Agnes denkt viel an Personen aus ihrer Kindheit und an das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater, während der Erzähler eher in der Gegenwart lebt. Er kennt die Kellnerin aus seinem Stammcafé, in das er häufiger alleine geht, er lernt auf einer Zugreise nach New York, die er auch allein macht, ein paar Menschen kennen, und schließlich begegnet ihm einer seiner Nachbarn, als er allein nach Hause kommt und an die falsche Tür klopft.

Es gibt also viele Nebenfiguren im Roman, und diese haben sogar manchmal ihre eigenen Geschichten (die Passagierin erzählt von ihrem Geliebten Paco, Herbert wurde einmal von einer fremden Frau geküsst). Doch gemeinsame Augenblicke mit anderen Menschen gibt es nur selten für Agnes und den Erzähler. Der anzügliche Verkäufer, der unten in ihrem Wohnhaus arbeitet, fällt ihnen beiden auf. Auch die Frau, die sie bei ihrem ersten Date vor dem Restaurant liegen sehen, ist Teil der gemeinsamen Welt, doch sie ist schon tot.

Als „Zeuge(n)“ (S. 71) bezeichnet Agnes den Parkaufseher, der den beiden Anweisungen gibt, als sie einen Ausflug in die Wildnis machen. Er hat sie beide gesehen, und die Bezeichnung ist sehr passend: Er könnte bezeugen, dass die beiden als Liebespaar überhaut existieren, genau, wie die Videoaufnahmen, die Agnes bei diesem Ausflug macht, ein Beweis dafür sind. Eine weitere Figur gibt es, die die Existenz der Beziehung bezeugen könnte, aber nur, weil sie eine Grenze durchbricht: Eine Kollegin aus Agnes’ Streichquartett ruft einmal den Erzähler an und hat somit Kontakt zu beiden Protagonisten gehabt. Sie betont allerdings, Agnes hätte diese Aktion nicht gewollt, hätte sie davon erfahren.

Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu vergrößern.

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen