Literarischer Hintergrund

Die Postmoderne

Die Postmoderne ist, wie der Name schon verspricht, die literarische Strömung, welche auf die Moderne folgt. Sie ist die zurzeit aktuelle Literaturströmung, das heißt, zeitgenössische Autoren sind häufig Vertreter der Postmoderne.

Der Vorläufer der Postmoderne, die Moderne, entsteht Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit ist es ein wesentlicher Bestandteil der Literatur, Geschichten subjektiv zu erzählen. Dieses wichtige Merkmal zieht sich bis in die Postmoderne und wird dort sogar noch erweitert.

Die Postmoderne entsteht ungefähr in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Autoren sind nach dem Zweiten Weltkrieg desillusioniert: Man glaubt nicht mehr an die Freiheit des Individuums, sondern an eine starke Formung des Menschen durch seine Umgebung, aus der er sich nicht lossagen kann. So erklärt man sich u. A. die Schrecken des Nazi-Regimes, die durch Menschenhand ausgeführt wurden – von indoktrinierten und gleichgeschalteten Bürgern.

Einen höheren Sinn des Lebens scheint es angesichts der Katastrophe nicht zu geben, und das Streben danach wird als bedeutungslos angesehen. Das spiegelt sich in der Literatur wider.

Obwohl sich in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wichtige politische, gesellschaftliche, technische und wirtschaftliche Umbrüche vollzogen haben, zieht sich das Motiv des der Sinnlosigkeit ausgelieferten Individuums einige Jahrzehnte danach immer noch durch die Literatur. Berühmte Vertreter sind neben Peter Stamm z. B. Robert Schneider (Schlafes Bruder), Patrick Süskind (Das Parfum), Umberto Eco (Im Namen der Rose) und Michael Ende (Die unendliche Geschichte).

Merkmale der Postmoderne im Roman

Anhand von Peter Stamms Roman „Agnes“ kann man diese Stimmung des postmodernen Romans gut nachvollziehen. Außerdem hat der Roman andere für die aktuelle Literaturströmung typische Eigenschaften.

Die beiden Hauptfiguren des Romans, der Sachbuchautor und Icherzähler und seine Freundin Agnes, führen eine für die heutige Zeit typische Beziehung: Sie sind nicht verheiratet, wohnen aber zusammen. Sie planen nicht, gemeinsam eine Familie zu gründen, obwohl die Titelheldin, als sie dann schwanger wird, das Kind bekommen will. Der Erzähler ist aber dagegen (S. 89). Er hat große Schwierigkeiten mit festen Bindungen, sehnt sich aber gleichzeitig nach Nähe und Liebe, welche er dann fast als eine „Sucht“ empfindet (S. 61) und für die er letztendlich kämpfen will (S. 146), obwohl es seinem Lebensstil widerspricht.
 

Diese Verhältnisse sind heute möglich, weil es normal geworden ist, dass junge Leute (auch Frauen) allein wohnen, dass sie Sex vor der Ehe haben können, ohne deswegen als moralisch fragwürdig zu gelten, und dass Frauen die Freiheit haben, sich selbst im Falle einer Schwangerschaft für oder gegen ein Kind zu entscheiden. In den 1950er-Jahren waren all diese Faktoren noch völlig anders, und die zwischenmenschlichen Beziehungen unterlagen ganz anderen Bedingungen.

Agnes‘ Geschichte endet tragisch. Nachdem sie eine Fehlgeburt hat, verliert sie den Lebensmut und lässt sich vermutlich schließlich zum Sel...

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