Analyse

„Agnes“ ist ein Roman aus den 1990er-Jahren, und er ist in leicht verständlicher Sprache geschrieben. Und doch gibt es so vieles zu entdecken in dieser Geschichte, was nicht auf den ersten Blick offensichtlich ist.

Außerdem ist „Agnes" ein intelligent konstruierter Debütroman von Peter Stamm, der viele Hinweise auf andere Kunstformen, einen hochinteressanten Aufbau und eine zum Nachdenken anregende Erzählerperspektive bietet. Für Freunde von Symbolik ist der Roman eine wahre Fundgrube. Da er in leichter Sprache formuliert ist, kann er jeden Leser begeistern.

In dieser Analyse findest Du viele Anregungen zum besseren Verständnis des Romans. Sein Aufbau, die Sprache, die verschiedenen Stilmittel, die Erzähltechnik, die Zeitstruktur und die Intertextualität werden genau untersucht und anhand vieler Textbeispiele erklärt – natürlich mit genauen Seitenangaben. Somit bekommst Du das perfekte Werkzeug, um Dich mit geschärftem Blick in den Roman zu vertiefen, und eine gute Grundlage für die Interpretation im Deutschunterricht.

Auszug aus dem Text:

Spannungsaufbau

Wie bereits erwähnt wurde, kennt der Leser von Beginn an das Ende von „Agnes“, denn bereits der erste Satz lautet: „Agnes ist tot“, (S. 9). Trotzdem verdirbt diese Ankündigung nicht das Interesse des Lesers an der Geschichte, sondern unterstützt die Spannungserzeugung. Man fragt sofort nach dem Warum und bekommt mit dem zweiten Satz eine noch mehr Ratlosigkeit erzeugende Antwort: „Eine Geschichte hat sie getötet“, (ebd.). Weil Geschichten normalerweise keinen Tod bringen, wird das Interesse des Lesers geweckt, der unbedingt erfahren will, wie es dazu kommen konnte und was die Aussage bedeutet.

Als der Erzähler in der Handlung beginnt, eine Geschichte über Agnes zu schreiben (S. 53), bekommt man als Leser eine Idee, dass diese Geschichte in irgendeiner Weise zum Tod der Titelheldin führen wird. Einmal kommt der Erzähler beim Verfassen seiner Geschichte an einen Punkt, der das Unheil andeutet und den Leser aufmerksam werden lässt. In seiner zufriedenen Phase der Beziehung mit Agnes scheint es ihm eines Tages, dass „ihr gleichmäßiges Leben sich nicht dazu eignete, beschrieben zu werden“. „Es muss etwas passieren, damit die Geschichte interessanter wird“, sagt er zu Agnes, (S. 68). Der Leser weiß bereits, wie die Geschichte endet, und ahnt daher, dass das, was nun passieren muss, nicht gut für Agnes enden wird.

Ansonsten ist der Roman nicht besonders auf Spannung ausgelegt, sondern konzentriert sich eher darauf, die Geschehnisse aus der sehr eingeschränkten Sicht des Icherzählers wiederzugeben. Der Leser kann dadurch das, was passiert, selbst interpretieren. Er kann sich darüber Gedanken machen, ob Agnes psychische Probleme hat. Er kann sich über Louises Intentionen den Kopf zerbrechen. Und am Ende kann der Leser sich fragen, ob Agnes wirklich tot oder nur gegangen und damit für den Icherzähler„gestorben“ ist.

Die Geschichte verläuft recht gleichmäßig. Selbst wenn es für Agnes erst nach einer Fehlgeburt wirklich bergab geht, wird ihre Melancholie und ihr Potential zur Todessehnsucht lange vorher angekündigt („Es heißt, zu erfrieren sei ein schöner Tod“, S. 78). Sie hatte eine schwere Kindheit mit einem lieblosen Vater („Ich glaube, er hätte weniger geweint oder gar nicht, wenn ich gestorben wäre“, S. 33), sie hat viele Ängste (S. 12) und wirkt sehr zerbrechlich.

Einen Hoffnungsschimmer stellt der Entschluss des Erzählers kurz vor dem Ende der Geschichte dar, sich nun auf die Beziehung mit Agnes zu konzentrieren und mit Louise Schluss zu machen (S. 146). Doch auf der anderen Seite weiß der Leser bereits, dass Agnes‘ Ende naht, und daher auch, dass dieser Entschluss zu spät kommt.

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