Novalis

Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, bekannt unter dem Pseudonym Novalis, ist ein frühromantischer Dichter und Philosoph. Er kommt am 2. Mai 1772 als das zweitälteste von 11 Kindern in Oberwiederstedt zur Welt, wo er in einem streng pietistischen Elternhaus seine Kindheit verlebt. Zunächst nur still und träumerisch, entfaltet er bereits im Alter von neun Jahren nach einer schweren Krankheit seine Originalität und Fantasie.

1785 zieht die Familie nach Weißenfels um. Fünf Jahre später schließt Hardenberg auf dem Gymnasium in Eisleben seine Schulbildung ab und siedelt nach Jena über, um Jurisprudenz (Rechtswissenschaften) zu studieren. Aus der Zeit zwischen 1788-1791 stammen die ersten dichterischen Versuche Hardenbergs: Gedichte, Dramenentwürfe, Verserzählungen und zahlreiche Übersetzungen antiker Autoren.

In Jena übt Friedrich Schiller, der an der Universität als Professor für Geschichte tätig ist, einen großen Einfluss auf den jungen Dichter aus. Zwischen 1791 und 1792 setzt Hardenberg sein Studium in Leipzig fort, wo er Friedrich Schlegel begegnet. Die Freundschaft der beiden Männer legt den Grundstein für die Jenaer Frühromantik.

Schließlich sorgt eine unglückliche Liebe für die Entscheidung des Dichters, Soldat zu werden, die er jedoch schnell widerruft. 1793 kehrt er nach Weißenfels zurück und ein Jahr später beendet er in Wittenberg sein Studium. Er tritt als Aktuarius beim Kreisamt in Tennstedt ein, um von dem Kreisamtmann A.C. Just in die Verwaltungspraxis eingeführt zu werden.

Auf einer Dienstriese begegnet er im November 1794 im Haus des Rittmeisters Johann von Rockenthien dessen zwölfjähriger Stieftochter Sophie von Kühn. Der 23-jährige Dichter  verlobt sich inoffiziell mit ihr nur wenige Monate später, und zwar an ihrem Geburtstag am 17. März 1795. Zwischen 1795 und 1796 beschäftigt sich Hardenberg überwiegend mit philosophischen Studien. Vor allem Fichte, den er persönlich kennenlernen darf, beschäftigt den jungen Dichter.

Der Tod seiner Verlobten, die bereits wenige Monate nach der Verlobung an Schwindsucht erkrankt und im März 1797 stirbt, prägt das weitere Leben Hardenbergs. Zunächst ist er bestrebt, der Braut „nachzufolgen“, da macht er eine metaphysische Erfahrung am Grabe der Geliebten, die ihn ihre unmittelbare Nähe spüren lässt. Sophie befördert und bestärkt jedoch den Gedanken des Dichters, seine Aufgabe bestünde darin, zwischen den beiden Welten zu leben und diese beiden Welten zu durchdringen und in seine dichterischen und philosophischen Arbeiten zu überführen.

Im Dezember 1797 siedelt Hardenberg nach Freiberg über, wo er an der Bergakademie eine weiterführende Ausbildung in Geologie, Mineralogie, Bergbaukunde, Chemie und Mathematik beginnen möchte. Aus den folgenden zwei Jahren stammen zahlreiche naturwissenschaftliche Studien, deren wichtigste Inhalte Eingang in das "Allgemeine Brouillon" fanden, ein philosophisches Hauptwerk des Dichters, mit dem er die Herkunft aller Wissenschaften aus einer übergeordneten Einheit nachweisen will. Des Weiteren entsteht aus den Studien das Romanfragment "Die Lehrlinge zu Sais".

Auch das Privatleben Hardenbergs erfährt in der Freiberger Zeit eine wichtige Veränderung. Im Dezember 1798 verlobt er sich mit der Tochter des Berghauptmanns von Charpentier, Julie. Diese Verbindung empfindet Hardenberg selbst als problematisch. Seine Liebe zu Sophie und die Gewissheit ihrer zukünftigen Vereinigung bleiben davon unangetastet. Doch wird ihm Julie in seinem Dasein zwischen den beiden Welten zur Gefährtin im irdischen Leben, während Sophie die Verbindung zu der höheren Welt darstellt, die es im Diesseits zu beleuchten gilt.

1799 kehrt Hardenberg nach Weißenfels zurück. Diese Stadt bleibt fortan sein fester Wohnsitz. Ende des Jahres wurde er zum Assessor ernannt. Zahlreiche Protokolle, Zeugnisse und andere Schreibstücke belegen sein berufliche Wirken sowie zahlreiche Dienstreisen nach Artern, Kösen, Dürrenberg und weiteren Orten.

Vor allem jedoch entwickelt sich in dieser Zeit das dichterische Werk Hardenbergs, welches aus seiner Korrespondenz mit den Brüdern Schlegel, Tieck, Schleiermacher, Schelling und J.W. Ritter resultiert. Im Frühjahr 1799 verfasst er die ersten geistlichen Lieder, die im Sommer 1800 zu einem Zyklus ausgeweitet werden.

Im Januar 1800 erfolgt die Vollendung der "Hymnen an die Nacht", im Dezember 1799 schreibt er die erste Konzeption des "Heinrich von Offerdingen", eines Romans, der ihn in seinem letzten Lebensjahr beschäftigt und eines der bedeutendsten Werke der Frühromantik darstellt.

Im Herbst 1800 erleidet Hardenberg einen Blutsturz und ist fortan ans Bett gefesselt. Im Dezember erlebt er noch seine Ernennung zum Amtshauptmann in Weißenfels. Am 25. März 1801 verstirbt der junge Novalis im Beisein seines Freundes Friedrich Schlegel und seines Bruders Karl im Alter von gerade einmal 28 Jahren.

Schwindsucht wird gewöhnlich als Todesursache von Novalis, an der sich der Dichter während der Pflege Schillers angesteckt haben könnte, aber neuere medizinische Forschung deuten eher auf die Erbkrankheit Mukoviszidose hin. Ein Denkmal erinnert heute an den großartigen Dichter und Denker auf dem Kirchhof in Weißenfels in Sachsen-Anhalt, wo Novalis von 1786 bis zu seinem frühen Tod 1801 lebte.