Rezension

Im Gegensatz zu Lessing gibt es am Ende von Presslers Roman „Nathan und seine Kinder“ keine Umarmungsszene und keine glückliche Zusammenführung einer zuvor auseinandergerissenen Familie. Vielmehr zeigen das Verbrechen und der Mord an Nathan, dass Fanatismus alles zerstören kann, unabhängig davon, wie viele Menschen an eine friedliche und zufriedenstellende Lösung glauben.

Gleichzeitig aber verdeutlicht die Tatsache, dass das Drama von Lessing ein fester Bestandteil des Bildungskanons ist, dass die Essenz des Werkes nie an Bedeutung verloren hat. Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Religionen und das Streben nach einem friedlichen Miteinander müssen immer wieder vernünftig und friedvoll geführt werden. Daran erinnert uns Lessing bis heute.

Mirjam Pressler überträgt diesen Kerngedanken auf die Romanform, um auch jüngeren Menschen den Zugang zu diesem essenziellen Gedanken zu ermöglichen. Ihr neu gestaltetes Ende zeigt, dass diese Auseinandersetzung immer wieder mit Hass und Tod verbunden ist. Doch Nathan hinterlässt sein geistiges Erbe und hat in seinem Umfeld den Menschen die Essenz der Ringparabel gelehrt und vorgelebt.

Nach Nathans Tod vertreten Menschen, wie Recha, Saladin und der Tempelritter, weiter seine Werte und Ideen. Nathans Tod ist damit nicht das Ende seiner Überzeugungen, sondern ein Symbol für diejenigen, die dieser Diskussion nur mit Gewalt begegnen können, da sie über keine Argumente verfügen. Die Autorin spiegelt damit die großen religiös-politischen Konflikte der he...

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