Momo als Parabel

Die zwei Ebenen

Michael Endes Werk Momo kann sowohl als Märchen als auch als Parabel verstanden werden. Als Gleichnis oder Parabel bezeichnet man eine Erzählung, die dem Leser zwei Ebenen der Betrachtung bietet: Auf der ersten Ebene ist die eigentliche Geschichte angesiedelt, in diesem Fall die des jungen Mädchens und der Heldin Momo, das schließlich den Menschen die verlorene Zeit zurückbringt.

Auf der zweiten Ebene kann der Leser eine Lehre aus der Erzählung ziehen, die über das Dargestellte hinausgeht. Richtet man seinen Blick auf die wundersame Erzählung über Momo und die grauen Herren aus einer gewissen Distanz, so kann man eine tiefere Ebene erkennen, auf welcher der Autor seine Gedanken zum Thema Geld und Gesellschaft offenlegt. Daher kann das Werk auch als ein Gleichnis bezeichnet werden, wobei die materialistischen Werte der modernen Gesellschaft hinterfragt werden.

Von Gemütlichkeit zu Einsamkeit

Im Laufe der Erzählung kann man deutlich erkennen, wie sich das Verhältnis der Menschen zum Geld und zueinander in starkem Maße verändert. Als Momo im Amphitheater einzieht, feiert sie mit den Anwohnern aus der Nähe ein vergnügtes Fest, „wie nur arme Leute es zu feiern verstehen“ (S. 12). Die grauen Herren wecken im weiteren Verlauf in den Menschen den Wunsch, mehr zu besitzen. Dafür müssen sie aber ihre Zeit opfern.

Im Rundfunk, Fernsehen, auf Plakaten und in den Zeitungen wird dafür geworben, mehr Zeit zu sparen, um irgendwann richtig leben zu können (S. 76). Die Zeit-Sparer sind nun auch deutlich zu erkennen: Sie sind besser gekleidet als diejenigen, die in der Nähe des Amphitheaters wohnen, denn sie verdienen mehr Geld. Gleichzeitig aber sind sie durch „missmutige, müde oder verbitterte Gesichter“ gekennzeichnet (S. 76).

Es ist deutlich zu erkennen, dass sie für ihren Wohlstand ihre Zufriedenheit und ihre Zeit geopfert haben. Daher können die Zeit-Sparer auch in ihrer Freizeit keine wirkliche Entspannung finden und kein Vergnügen mehr erleben, denn sie nutzen die Zeit in aller Eile aus und versuchen, so viel wie möglich zu machen. Erst dann, als sie zu Ruhe kommen, erkennen sie, wie leer ihr Leben ist (S. 77). Der Friseur Fusi ist ein deutliches Beispiel für diese Menschen (S. 74-75).

Auch die Kinder leiden unter den Konsequenzen, dass die Erwachsenen ihre Zeit gegen mehr Geld eintauschen und viel mehr arbeiten. Sie bringen nun immer mehr Spielzeug mit in das Amphitheater, das die Fantasie nicht mehr anregt und eigentlich nutzlos ist (S. 81). Obwohl es „sehr teure Spielsachen“ (S. 81) sind, die Momo und ihre Freunde niemals besessen haben, haben die Kinder keine Freude daran. Nach einiger Zeit kehren sie daher zu ihren alten Spielen zurück, für die auch ein paar Schachteln oder ein Maulwurfshügel ausreichen (S. 82).

Die Kinder erkennen auch, dass ihre Eltern nun viel mehr Geld haben. Ein Kind erzählt, dass sie jetzt ein „sehr schönes Auto“ (S. 83) fahren, das jeden Samstag gewaschen wird. Ein anderes Mädchen darf nun jeden Tag ins Kino gehen, da ihre Eltern keine Zeit mehr für sie haben. Auch die anderen Kinder berichten davon, dass sie nun auf sich alleine gestellt sind, aber viel mehr Geld von ihren Eltern bekommen (S. 84). Doch damit geht auch einher, dass die Erwachsenen sich selbst und überhaupt nichts mehr mögen (S. 84-85). Für die Kinder sind viel Geld oder teure Geschenke kein Beweis für die Liebe ihrer Eltern. Dies macht sie traurig, denn sie fühlen sich im Stich gelassen (S. 85).

Das teure Spielzeug

Eines Tages findet Momo auf den Stufen der Ruine eine Puppe. Sie ist fast so groß wie Momo und so naturgetreu nachgemacht, dass man sie für einen Menschen halten kann. Zuerst ist Momo von der Puppe fasziniert, doch als sie diese berührt, beginnt sie mit quäkender Stimme zu sprechen. Sie versuc...

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