Sonett

Die Geschichte der Gedichtform

Das Sonett ist eine Gedichtform, die ihren Ursprung im Italien des 13. Jahrhunderts hat. Es breitet sich in verschiedenen Erscheinungsformen in ganz Europa aus, erreicht Deutschland jedoch erst im 16. Jahrhundert und wird ein Jahrhundert später, in der Epoche des Barocks, zu der beliebtesten lyrischen Form. Das Sonett wird besonders durch die Regelpoetik Martin Opitz‘ (1597-1639), das sogenannte „Buch von der Deutschen Poeterey“ (1624), propagiert.

Der deutsche Dichter Andreas Gryphius (1616-1664), der sich häufig dieser Gedichtform bediente, gab ihr die deutsche Bezeichnung „Kling-Gedicht“. Aber auch „Klanggedicht“ ist als Begriff für das deutsche Sonett üblich. Die Namen gehen auf den lateinischen Ursprung zurück: Das Wort „Sonett“ stammt von dem lateinischen Nomen sonus (Klang, Schall) oder dem Verb sonare (tönen, klingen).  

Im 18. Jahrhundert verlieren die Sonette wieder an Bedeutung, werden jedoch im 19. Jahrhundert von den Romantikern, wie Clemens Brentano (1778-1842), Ludwig Tieck (1773-1853) oder Joseph von Eichendorff (1788-1857), wieder geschätzt und herangezogen. Auch in der Dichtung der Moderne, im 20. Jahrhundert, verwenden die Dichter, wie beispielweise Hugo von Hofmannsthal (1874-1929), Rainer Maria Rilke (1875-1926), Georg Heym (1887-1912) oder Georg Trakl (1887-1914), die Form des Sonetts, spielen aber mit dieser und reizen sie aus.

Die Sonett-Form

Ein Sonett ist ein Gedicht mit einer streng geregelten Form. Es besteht aus vier Strophen und vierzehn Versen, die je nach Ursprung des jeweiligen Sonetts und seiner Entstehungszeit unterschiedlich angeordnet werden können. Im deutschsprachigen Raum ist es in der Regel in zwei Quartette (Vierzeiler) und zwei Terzette (Dreizeiler) gegliedert und zeichnet sich durch alternierende Versmaße aus, wobei in den meisten Fällen ein Jambus vorliegt. Die Anzahl der Silben und Hebungen in einem Vers sowie das Reimschema variieren. Das typische Reimschema der Quartette ist ein umschließender Reim (abba abba). Das Reimschema der Terzette folgt zumeist einem der folgenden Muster: ccd eed, cde- cde, cdc dcd.

Durch die Zeit wurden in verschiedenen Ländern und in unterschiedlichen Sprachen zahlreiche Variationen von Sonetten verfasst. So war zum Beispiel in der Barockzeit der Alexandriner Vers sehr beliebt. Jede Verszeile der Sonette von Andreas Gryphius ist demzufolge ein sechshebiger Jambus mit Mittelzäsur. Auch die Verwendung der verschiedenen Reimschemata trägt zur Variation bei. Möglich sind unter anderem folgende Reimschemata: „abba-cddc“, „abba-baab“,„abab-baba“, „abba-abab“,  „abba cbbc“ oder „abba-cdcd“.

Ebenso wurde die Anordnung der Verszeilen fortlaufend verändert. Die berühmten Sonette von William Shakespeare (1564—1616) aus dem englischsprachigen Raum enthalten drei kreuzgereimte Quartette und ein paargereimtes Abschlussverspaar. Die modernen Sonette weisen häufig keinerlei Trennung in Strophen auf. Ein bedeutender Hinweis bleibt jedoch die Anzahl der Verszeilen – bei 14 Versen hat man in der Regel ein Sonett vor sich.

Der Inhalt

Das Besondere eines Sonetts ist seine logische Struktur, die sich in seiner äußeren Form widerspiegelt. Die beiden Quartette beleuchten das Thema des Sonetts. Sie haben die Funktion, die These und Antithese des Gedichts darzustellen. Die erste vierzeilige Strophe stellt also eine Behauptung auf und die zweite vierzeilige Strophe beleuchtet dieses Thema von einem ergänzenden oder sogar gegensätzlichen Standpunkt aus. Die dreizeiligen Strophen, die zwei Terzette, führen anschließend diese antithetischen Gedanken in konzentrierter Form zur Synthese, also zu einer endgültigen Aussage. Sie ziehen ein Fazit aus dem zuvor Gesagten.

 

Unsere Sonette

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Achim von Arnim - Zur Verlobung

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Heym - Die Stadt