Hymne

Der Begriff „Hymne“ stammt ursprünglich von dem altgriechischen Wort „hymnos“ (Tongefüge) ab, seine Bedeutung hat sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte mehrfach gewandelt. Lange Zeit wurden die Gattungsbezeichnungen „Hymne“ und „Ode“ synonymisch verwendet. Heute unterscheidet sich die Ode durch ihren strengen strophischen Aufbau und die verbindende metrische Form von der Hymne.

In der Antike verstand man die Hymne als einen feierlichen Lob- oder Jubelsang auf einen Gott oder Helden, der die Schönheit, Weisheit, Mut oder Güte des Besungenen pries. Diese Gesänge wurden in Griechenland von einem Chor und einem Vorsänger vorgetragen und häufig mit einem Instrument melodisch begleitet.

Im Mittelalter bezeichnete die Hymne ein christliches Weihelied zum Ruhm Gottes, das beispielsweise zu dem Stundengebet der Mönche oder den Gottesdiensten gehörte. Sie wurde überwiegend in lateinischer Sprache verfasst, war strophisch gegliedert und zumeist durch ein gleichmäßiges Metrum in Klang und Struktur gekennzeichnet.

Im Verlauf der Zeit änderte sich die Funktion der Hymne. Seit dem 18. Jahrhundert umfasst die Gattung auch Gedichte. In Deutschland stammen die ersten Hymnen in freien Rhythmen aus der Hand von Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803). Seine feierlichen Gedichte weisen keine Bindung durch Metrum oder Reim auf. Sowohl die Strophen als auch die Verse sind ungebunden, die Verszeilen sind unterschiedlich lang und variieren in der Anzahl der Hebungen und Senkungen.  Die Epoche des Sturm und Drang gilt als der Höhepunkt der deutschen Hymnendichtung.

Die Hymne der Neuzeit zielt schließlich auf die Belehrung des Empfängers sowie den Ausdruck individueller Gefühle ab. Die Gattung ist nicht mehr ausschließlich der Huldigung von Göttern und Helden vorbehalten, sondern greift Themen, wie Natur, Freundschaft, Freiheit oder Patriotismus, auf. Sie besitzt keine Reime, keinen festen strophischen Aufbau und kein festes Metrum. Die freien Rhythmen drücken Begeisterung und überschwängliche Verwunderung durch eine gehobene Sprache und einen erhabenen Tonfall aus.

Im Zeitalter des Absolutismus lassen sich die Kaiser in Form von Hymnen verehren. Ab dem 18. Jahrhundert, und zwar mit dem Beginn der Verbreitung des Nationalismus und Patriotismus in Europa, kommen auch Nationalhymnen in Mode. Der Begriff „Hymne“ wird heute dementsprechend auch als die Kurzform für „Nationalhymne“ verwendet, die zur politischen Lyrik gehört und das offizielle Symbol eines Staates darstellt.

Durch das ritualisierte Abspielen der Nationalhymne werden Gedenktage, Staatsbesuche oder Siegerehrungen zelebriert. Die Hymnen können kämpferisch, wie die französische „Marseillaise“ (1792), sein oder Gott und den Monarchen preisen, wie „God save the King“ (1745), darüber hinaus gibt es aber auch heimatverklärende oder das eigene Volkstum beschwörende Beispiele.

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Hymne der Nacht Nr. 3 „Urhymne“