Ballade

Die Ballade ist ein Erzählgedicht, das eine Handlung vermittelt. Der Begriff ‚Ballade‘ stammt von dem lateinischen Verb ‚ballare‘ (tanzen) ab. Man unterscheidet zwischen Volksballade und Kunstballade.

Volksballade

Die Volksballade bezeichnete im romanischen Sprachraum seit dem 12. Jahrhundert ein strophisches und episches Tanzlied. Ihre Blütezeit hat diese Gattung im 15. und 16. Jahrhundert. Die Troubadours, Musiker, Sänger und Landstreicher verbreiten die Balladen in ganz Europa, wobei sie diese überwiegend als Strophenlieder mit Refrain zur Unterhaltung der Leute präsentieren. Die Verfasser der Volksballadentexte sind in der Regel unbekannt. Oft berichten die Lieder von historischen oder sagenhaften Personen. Typische Motive sind z. B. die Liebe und ihre vielschichtigen Facetten, Verbrechen oder Rache.

Volkslieder und -balladen zeichnen sich durch ihre syntaktische Einfachheit, ihre Verständlichkeit und ihre Singbarkeit aus. Im Laufe der Zeit entwickeln sich unterschiedliche Typen von Volksballaden. Besonders beliebt sind bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts „Schauerballaden“, auch Moritaten genannt, die von fahrenden Sängern auf Jahrmärkten schauspielerisch vorgetragen werrden. Sie erzählen von außergewöhnlichen Ereignissen und enden häufig mit einer moralischen Botschaft.

Kunstballade

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts interessieren sich die Dichter des Sturm und Drang, wie zum Beispiel Gottfried August Bürger, Friedrich Schiller oder Johann Wolfgang von Goethe, für die Volksdichtung. Nach englischem Vorbild entsteht zu dieser Zeit in Deutschland eine neue Art der Ballade, ein Gegenstück zur bekannten Volksdichtung, die Kunstballade, welche stets einem Verfasser zugeordnet werden kann.

Im Balladenjahr 1797 schreiben Goethe und Schiller eine ganze Reihe von Kunstballaden. In einem freundschaftlichen, künstlerischen Wettstreit entstanden, werden diese Ende September 1797 im Musenalmanach zusammengetragen und 1798 veröffentlicht. Die Gedichte sollen moralische und sittliche Werte vermitteln und die Leser zu Anteilnahme und Empathie auffordern. Sie transportieren darüber hinaus die Schönheit und Vielfalt der deutschen Sprache.

Die Kunstballaden stellen eine Mischform aus Lyrik, Epik und Dramatik dar. Sie sind stimmungsvolle, in Versen verfasste Gedichte, die eine strophische Form aufweisen und Reime enthalten. Sie erzählen eine Geschichte, die oft von überirdischen Kräften, märchenhaften Erscheinungen oder Heldentaten handelt. Die realistischen Kunstballaden enthalten häufig Dialoge und werden von einem Lyrischen Ich erzählt. Sie kreisen vermehrt um ein dramatisches Ereignis, das auf einen Höhepunkt zuläuft und im Anschluss aufgelöst wird.

Im 19. Jahrhundert erfährt die Kunstballade eine romantische Prägung mit schaurigen, geheimnisvollen oder abenteuerlichen Aspekten. Im 20. Jahrhundert trägt die Gattung häufig politische oder satirische Züge. Bertolt Brecht hat sie beispielsweise erfolgreich in seine Dreigroschenoper (1928) integriert.

In den letzten Jahrhunderten sind viele verschiedene Arten der Gattung Ballade entstanden. Beispiele dafür sind die Geheimnisballade, die Heldenballade, die Schauerballade, die Ideenballade, die realistische Ballade, die historische Ballade, die belehrende Ballade, die gesellschaftskritische Ballade oder die politische Ballade. Sie alle jedoch verbinden eine spannende epische Geschichte mit der lyrischen Versform.

Unsere Balladen:

Erlkönig (Johann Wolfgang von Goethe)

Der Fischer (Johann Wolfgang von Goethe)

Der Sänger (Johann Wolfgang von Goethe)

Der König in Thule (Johann Wolfgang von Goethe)

Der Schatzgräber (Johann Wolfgang von Goethe)

Der Zauberlehrling (Johann Wolfgang von Goethe)

Heidenröslein (Johann Wolfgang von Goethe)

Gefunden (Johann Wolfgang von Goethe)

Lore Ley oder Zu Bacharach am Rheine (Clemens Brentano)

Die Rache (Ludwig Uhland)