Lyrik

Der Begriff „Lyrik“ leitet sich von dem griechischen Wort „Lyra“ ab. Er bezeichnete ursprünglich die von der Lyra (einem Zupfinstrument mit fünf bis sieben Saiten) begleiteten Gesänge. Im alten Griechenland war der Begriff „Lyrik“ sinnbildlich mit der Musik verbunden. Diese Tradition setzte sich im Mittelalter fort, als die Minnesänger zur Ritterzeit ihre Liebeslyrik in Form von Gesang zum Ausdruck brachten.

Heute dagegen bezeichnet die Lyrik neben der Epik und Dramatik eine der drei Literaturhauptgattungen. Die Epik stellt die erzählende Dichtung dar. Die Dramatik steht für die Bühnendichtung und die Lyrik für die Poesie. Die Lyrik unterscheidet sich von der Epik und Dramatik durch ihre bildhafte Sprache, die Raum für Interpretationen und Assoziationen öffnet, sowie durch die kurzgehaltene, prägnante und ausdrucksstarke Versform.

Die Hauptmerkmale der Lyrik sind die Gliederung in Verse und Strophen, die kunstvolle Sprache mit zahlreichen rhetorischen Mitteln, die es zu interpretieren gilt, sowie ein bestimmter Leserhythmus. Die lyrischen Texte vermitteln Gefühle, Sehnsüchte und Erlebnisse. Häufig geschieht dies durch ein „Lyrisches Ich“, welches dem Erzähler in der epischen Dichtung nahesteht und auf keinen Fall mit dem Autor gleichgesetzt werden darf.

Die Gedichte können in verschiedene Untergattungen unterteilt werden: Zum Beispiel Sonett, Ballade, Volkslied, Glosse, Romanze, Hymne, Ode oder Elegie. Je nach Untergattung können auch Metrik und die Reimstruktur an Bedeutung gewinnen. Diese sind jedoch keine zwingenden Merkmale der Lyrik. Bereits zur Goethezeit stellten Gedichte ohne Reimschema und mit freien Rhythmen keine Ausnahmen dar.

Die moderne Lyrik verzichtet häufig auf Metrik und Reim und nähert sich der Prosa an. Die einfallsreichen modernen Dichter bleiben frei darin, die Stilelemente zu mischen und die Formen zu sprengen. Ein Extrembeispiel bilden die Formgedichte, in denen die Längen der Verse und ihre Anordnung ein Bild ergeben, welches die Botschaft des Gedichts untermalt, so zum Beispiel die Form eines Kreuzes bei einem geistlichen Gedicht.

Auch Songtexte gehören zur Lyrik. Die Slam-Poetry beinhaltet den freien Vortrag liedhafter Textformen vor einem Publikum, häufig sogar als Wettbewerbsform. Im Rap werden die Texte gesprochen. So präsentiert die heutige Lyrik durch ihre Formfreiheit und individuellen Ausprägungen eine große Vielfalt.

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