Sage

Was ist eine Sage?

Der Begriff Sage ist von dem althochdeutschen Wort „saga“ (= Gesagtes, Gesprochenes) abgeleitet und bezeichnet eine mündlich überlieferte kurze Prosaerzählung. Sagen sind frei erfunden, basieren jedoch auf einer wahren Begebenheit.

Sagen erheben einen höheren Realitätsanspruch. Um glaubhaft zu wirken, sind sie mit real existierenden Ereignissen, Personen, Naturerscheinungen und Orten verknüpft. Die Geschichten erzählen von außergewöhnlichen und unerklärlichen Phänomenen, die mit fantastischen und übernatürlichen Ursachen begründet werden. Insofern ergeben sich Ähnlichkeiten zur Gattung des Märchens.

Die Urheber der Sagen bleiben überwiegend anonym. Ihre Geschichten werden über viele Generationen hinweg überliefert und abgewandelt. Verschriftlichungen werden bereits im Mittelalter vorgenommen. Maßgeblich für die Popularität und Verbreitung waren jedoch die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die im 19. Jahrhundert deutsche Sagen sammelten und veröffentlichten.

Die literarische Verarbeitung der Sagen hat eine lange Tradition. Beispiele dafür sind die Staufenberg- und die Melusinensage, welche Fouqués Undine inspiriert haben; die Teufelssage, die Goethe für Faust verwendet hat; die Heldensage Wilhelm Tell, die Schiller für die Bearbeitung seines Dramas als Quelle nutzte; oder die bekannteste aller Sorbensagen, Krabat, welche als Grundlage für Otfried Preußlers Jugendbuch diente.

Göttersagen und Mythen

Generell wird zwischen Götter-, Volks- und Heldensagen unterschieden.

Göttersagen stammen aus der Vorzeit eines Volkes und befassen sich mit existenziellen Fragen der Menschheit. Dazu gehören die Entstehung der Welt und des Lebens sowie die Auseinandersetzung mit Gegensätzen, wie Liebe und Hass, Leben und Tod, Mann und Frau etc. Sie beschäftigen sich mit der Beziehung der Götter und Dämonen zu den Menschen und werden dem Bereich der Mythen zugeordnet.

Mythen berichten von außergewöhnlichen oder übernatürlichen Ereignissen, die stellvertretend für wiederkehrende, zeitlose Phänomene der Menschheit stehen. Die Allgemeingültigkeit wird durch sog. Archetypen unterstützt, d.h. prototypische Symbole oder Figuren, die unabhängig von ihrem historischen und kulturellen Hintergrund überdauern. Der Sammelbestand der Mythen eines Volkes, einer Kultur oder Glaubensgemeinschaft wird als Mythologie bezeichnet.

Ursprünglich wurden die Mythen mündlich überliefert. Verschriftlichungen und damit einhergehende literarische Ausgestaltungen sind seit der Antike bekannt. Verbreitet sind vor allem die Heldensagen der römischen, griechischen und nordischen Mythologie, wie z.B. die Odyssee, Romulus und Remus, der Raub der Sabinerinnen, die Sagen des Sisyphos und des Tantalos oder die Edda.

Volkssagen

Volkssagen sind häufig mit real existierenden Orten und historischen Ereignissen verknüpft. Sie beziehen sich auf eine bestimmte Gegend und das Leben der dort ansässigen Menschen. Demnach hat jedes Volk seine eigenen Sagen, die sich jedoch auch über die Grenzen hinweg sehr ähnlich sein können.

Der Rattenfänger von Hameln, die Loreleysage oder die Heinzelmännchen zu Köln sind typische Beispiele für die Volkssage. Ihrer regionalen Zugehörigkeit entsprechend enthalten die volkstümlichen Erzählungen häufig mundartliche und umgangssprachliche Redewendungen. Es sind einfache, einsträngige Geschichten, die nicht immer mit einem Happy End abschließen.

Eine wichtige Rolle spielen das Übernatürliche und Fantastische in den Erzählungen. So gehören zum Personenkreis auch Fabelwesen, wie Riesen, Zwerge, Drachen und Elfen, ebenso wie Pflanzen und Tiere mit übernatürlichen Kräften. Diese Figuren greifen in den Alltag und die Umgebung der Menschen ein. Mit den magischen Begebenheiten werden zumeist geografische Besonderheiten, wie z.B. Naturphänomene, erklärt.

Heldensagen

Wie der Name bereits erahnen lässt, konzentrieren sich Heldensagen auf einzelne, überwiegend historisch belegte Persönlichkeiten. Auch kann eine ganze Herrscherfamilie im Zentrum der Handlung stehen. In germanischen Heldensagen wird zumeist die Zeit der Völkerwanderung (zwischen klassischer Antike und europäischem Frühmittelalter) beschrieben.

Das Heldenhafte manifestiert sich vor allem in einer oder mehreren bewundernswerten Taten des Protagonisten. Der Held muss sich in außergewöhnlichen Situationen bewähren und eine oder mehrere Prüfungen bestehen. Dabei können sich ihm übernatürliche Hindernisse in den Weg stellen. Charakteristisch ist der heroische Kampf gegen ein Ungeheuer, wie er beispielsweise in der Nibelungensage (Siegfrieds berühmter Drachenkampf) oder im Beowulf zu verzeichnen ist.

Der Held übersteht seine Abenteuer dank besonderer Fähigkeiten, wie List, Stärke und Mut. Die heroischen Geschichten enden jedoch nicht immer mit einer siegreichen Rückkehr, sondern häufig auch mit dem Tod des Helden.