Gesellschaftsroman

Ein Gesellschaftsroman schildert umfassend das gesellschaftliche Leben einer bestimmten Epoche. Der Autor versucht, die zeitgenössische Realität so getreu wie möglich zu erfassen und ein detailliertes Bild davon zu zeichnen. Dazu bedient er sich einer sachlichen Erzählweise, genauer Milieuschilderungen und unterschiedlicher Psychologisierungen der Figuren.

Der Gesellschaftsroman zeichnet sich durch mehrere Handlungsstränge und eine komplexe fiktive Handlung aus, die eng mit dem historischen, sozialen, ökonomischen und politischen Hintergrund verknüpft ist.  Oft werden die Lebensverhältnisse und -bedingungen gegensätzlicher Bevölkerungsschichten detailliert beschrieben, um deren spezifische Probleme offenzulegen.

Der Gesellschaftsroman liefert meistens eine kritische oder anklägerische Darstellung der damaligen gesellschaftlichen Lage. Die folgenden Autoren Émile Zola (1840-1902), Honoré de Balzac (1799-1850) oder Gustave Flaubert (1821-1881) in Frankreich, Lev Tolstoi (1828-1910) in Russland, Charles Dickens (1812- 1870) in England und Theodor Fontane Effi Briest (1895) und Thomas Mann Buddenbrooks (1901) in Deutschland  tragen zum großen Erfolg des Genres im 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts bei.