Entwicklungsroman

Der Entwicklungsroman ist mit dem Bildungsroman eng verwandt und beide Begriffe werden häufig synonym verwendet. Die Grenzen zwischen Bildungsroman und Entwicklungsroman sind fließend. Beide Gattungen schildern die seelische Entwicklung einer Hauptfigur in ihrer Auseinandersetzung mit der Umwelt und mit sich selbst sowie ihren Reifeprozess durch die Verarbeitung eigener Erlebnisse und Erfahrungen.

Der Entwicklungsroman beschreibt eine Handlung aus der Sicht des meist jungen Protagonisten, der sich in einer für ihn oft fremden Gesellschaft zurechtfinden muss und dabei zwangsläufig auch Fehler macht. Der Fokus richtet sich auf die positiven sowie die negativen Erlebnisse des Helden und seine Auseinandersetzung mit seiner Umgebung. Die Figur sammelt verschiedene prägende Erfahrungen und zieht aus dem Erlebten wichtige Schlüsse für ihr zukünftiges Verhalten. Durch den kausalen Prozess der Persönlichkeitsreifung kann der Leser die charakterliche Entwicklung des Helden Schritt für Schritt nachvollziehen.

Im Vergleich zum Bildungsroman, wie beispielsweise Hermann Hesses Siddhartha, muss der Protagonist des Entwicklungsromans nicht notwendigerweise einen höheren inneren Bildungsstand erreichen. Weil die Werke sich nicht zwingend sich mit einer Bildungsidee befassen sollen, sind die Varianten des Entwicklungsromans breiter und schließen auch andere Romangattungen mit ein. Die Erzählungen enden nicht notwendigerweise glücklich, sondern können mit einem neutralen Schluss, mit dem Scheitern oder gar dem Tod der Hauptfigur abschließen.

Unsere Entwicklungsromane:

Parzival (Wolfram von Eschenbach, Anfang 13. Jahrhundert)

Aus dem Leben eines Taugenichts (Joseph von Eichendorff, 1826)

Irrungen, Wirrungen (Theodor Fontane, 1887)

Unterm Rad (Hermann Hesse, 1906)

Homo faber (Max Frisch, 1957)

Krabat (Otfried Preußler, 1971)

Die Blechtrommel (Günter Grass, 1959)

Das Parfum (Patrick Süskind, 1985)

Schlafes Bruder (Robert Schneider, 1992) 

Am kürzeren Ende der Sonnenallee (Thomas Brussig, 1999)

Scherbenpark (Alina Bronsky, 2008) 

Tschick (Wolfgang Herrndorf, 2010)

Der Trafikant (Robert Seethaler, 2012)