Kurzgeschichte

Die Gattung der Kurzgeschichte entsteht als Short Story in den Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert. Sie findet nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Deutschland große Verbreitung.

Was ist eine Kurzgeschichte? 

Eine Kurzgeschichte ist eine kurze und leicht überschaubare Erzählform in Prosa. Ihr Umfang schwankt in der Regel zwischen einer Seite und drei Seiten, kann aber allerdings auch länger sein. Die Erzählung beginnt unmittelbar mitten in einer Handlung. Das Geschehen und die Figuren werden nicht mithilfe einer Einleitung eingeführt.

Die beschriebenen Themen werden aus dem zeitgenössischen Alltag herausgegriffen und bilden somit realistische, wirklichkeitsnahe und glaubwürdige Situationen aus dem Leben nach. Dabei steht ein besonderes Ereignis im Zentrum der Aufmerksamkeit und des Geschehens, welches daraufhin eine dramatische Wendung nimmt.

Die erzählte Zeit spielt sich innerhalb von Minuten oder höchstens Stunden ab. Das Geschehen wird häufig auf kurze skizzenhafte Beschreibungen von wenigen Situationen reduziert. Die Handlung verläuft sehr geradlinig und chronologisch. Sie spielt an wenigen Orten, die meist nicht genauer benannt sind. Der Erzähler verhält sich oft neutral und lakonisch, ohne die Handlung zu werten und zu deuten.

Die Geschichte wird oft im Präteritum erzählt. Die Sprache ist einfach und präzise. Der Stil ist umgangssprachlich. Der Inhalt ist konzentriert und komprimiert. Über den Charakter der sehr wenigen Protagonisten erfährt der Leser in der Regel nicht sehr viel. Die Personen sind oft typisiert und namenlos dargestellt. Sie sind entwicklungsunfähig und werden häufig nur anhand einzelner Merkmale charakterisiert.

Die Kurzgeschichte zeichnet sich durch ihre Verdichtung und ihren hohen Symbolcharakter aus, was die zahlreichen Metaphern oder das Leitmotiv im Text bewirken. So muss sich der Rezipient selbst die Hintergründe erschließen und das Geschehen beurteilen. Aus diesen Interpretationen können demnach Moralvorschriften herauskristallisiert und dem Leser zur Lehre werden. Eine Kurzgeschichte zeichnet sich durch ein offenes Ende aus, das oft von einer Pointe, also von einer überraschenden Wendung, begleitet wird.

Stich­punkte

  • Geringer Umfang der Textlänge
  • Unmittelbarer Einstieg ins Geschehen, keine Einleitung 
  • Mittelpunkt der Geschichte ist ein besonderes Ereignis 
  • Präzision und Verdichtung des Inhalts
  • Glaubwürdigkeit, Alltagsnähe und Mehrdeutigkeit
  • Wenige Figuren, die sehr knapp charakterisiert sind
  • Lineare Handlung, kurze erzählte Zeit
  • Offenes Ende mit überraschender Wendung

Unsere Kurzgeschichten

Bruder aus Altwasser (1929)

Die Probe (1954)