Fabel

Definition

Bei einer Fabel (von dem lateinischen Wort fabula: Erzählung) handelt es sich um einen schlichten, prägnanten und kurzen Text in Prosa oder Versen mit belehrender Absicht. Die sehr wenigen Protagonisten einer Fabel sind in der Regel sprechende Tiere, seltener kommen auch Pflanzen oder andere belebte Gegenstände vor.

Die Fabeln benutzen ein festes Figurenrepertoire und sind durch eine erkennbare Typisierung gekennzeichnet. Die Protagonisten zeigen bestimmte Eigenschaften und stehen stellvertretend für bestimmte Menschengruppen. So ist der Fuchs zum Beispiele schlau und gerissen, der Wolf dagegen bösartig, triebhaft und, daraus resultierend, meist auch leichtsinnig, das Schaff dumm und unschuldig, den Esel einfältig und stur, der Löwe majestätisch und herrschsüchtig ….

Die Akteure verkörpern menschliche Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen. Sie besitzen auch Vernunft, Gefühle und Sprache. Sie prangern oft und karikativ Charakterschwächen, zum Beispiel Eitelkeit, Neid oder Gier, an. Die Handlung einer Fabel spielt sich an einem einzigen imaginären Ort ab und dauert nur die Zeit eines Gespräches. Sie besteht nur aus einer linearen Haupthandlung. Meistens beschränkt sich die dramatische Erzählung auf einen kurzen Dialog und selten auf einen Monolog.

Der Aufbau einer Fabel ist üblicherweise in drei Teile gegliedert.  Die anfängliche Situation stellt die Handelnden kurz vor und lenkt auf die Konfliktlage hin. Der zweite Teil besteht im Allgemeinen aus einem Gespräch, in dem die Charaktereigenschaften deutlich zutage treten. Es entsteht eine Konfliktsituation, die durch die Gegenüberstellung gegensätzlicher Verhaltensweisen hervorgerufen wird. Das dramatische Geschehen spitzt sich auf einen Höhepunkt hin zu.  Am Ende der Fabel wird schließlich über die Lösung berichtet, welche oftmals den für eine Fabel typischen Lehrsatz enthält.

Geschichte der Fabeln

Fabeln sind oft witzig formuliert und enthalten eine moralische Lehre oder eine satirische Botschaft. Die Lehren der Fabeln lassen sich als Lebensregeln für konkrete Situationen auslegen. Die Gattung ist uralt. Schon im 6. Jahrhundert vor Christus schreibt der griechische Sklave Äsop Fabeln. In der Zeit der Reformation steht die Fabel im Dienst der moralischen und religiösen Erziehung. In dem 17. Jahrhundert erreicht die aufklärende französische Fabeldichtung mit Jean de La Fontaine einen Höhepunkt.

In Deutschland erlebt die Fabel in dem 18. Jahrhundert ihre Blüte. Über fünfzig Fabelsammlungen erscheinen zwischen 1730 und 1800, unter anderem Lessings „Fabeln. Drey Bücher“ (1759), welche antiken Fabeln aktualisieren. Die Fabel erlaubt es den Dichtern der Aufklärung, auf eine versteckte Weise gesellschaftliche oder politische Missstände anprangern zu können, die aufgrund der Zensur nicht offen kritisiert werden dürfen. Fabeln können die Leser „aufklären“ und eine indirekte Gesellschaftskritik gegen den Absolutismus äußern.

Moderne Fabeln wollen immer noch auf politische Ungerechtigkeiten hinweisen, aber eher auf eine ironische und satirische Art, die den Leser heute anspricht. Viele Fabeln sind als Lesestoff für Kinder gut geeignet, wie die berühmte Sammlung der Brüder Grimm „Kinder- und Hausmärchen“ (1812). Sie sind lehrreich und werden gern für die Erziehung der Kinder eingesetzt.

Merkmale der Fabeln

  • Kurze und einfache lehrhafte Erzählung in Prosa- oder Versform
  • Bei den Hauptfiguren handelt es sich vor allem um typisierte Tiere, aber auch um Pflanzen oder Dinge 
  • Die wenigen Figuren besitzen typische ausgeprägte menschliche Eigenschaften
  • Themen der Fabeln sind häufig menschliche Schwächen, wie Geiz, Neid, oder Eitelkeit 
  • Keine genaue Zeit- und Ortangabe, lineare Handlung
  • Die Figuren befinden sich im Konflikt
  • Der Aufbau ist oft dreigeteilt: Einleitung, Dialogteil und Lösung mit versteckter Aussage, belehrender Moral 
  • Die Fabel hat Wirklichkeitsbezug und ist existenz- und gesellschaftskritisch