Anekdote

Das Wort „Anekdote“ stammt aus dem Griechischen (ἀνέκδοτον ~ anékdoton) und bedeutet übersetzt „nicht herausgegeben“. Eine Anekdote ist ein sehr kurzer Text, meistens in Prosa geschrieben, dessen Urheber meist unbekannt ist. Wenn sie aber erzählt wird, dann erweckt sie den Anschein, als wäre der Erzähler selbst dabei gewesen.

Eine Anekdote ist eine erfundene oder wahre lustige Geschichte, die kurz und knapp eine Begebenheit, häufig aus dem Leben einer berühmten historischen Persönlichkeit gegriffen, schildert und damit einen besonderen Charakterzug der Figur wiedergibt. Wichtig ist es, dass die Erzählung in Form einer überraschenden Pointe oder eines überraschenden Schlusseffekts, meist humorvoll oder ironisch formuliert, endet.

Anekdoten orientieren sich an geschichtlichen Begebenheiten. Sie sind vielfältig und können auch merkwürdige Ereignisse, besondere Charaktertype, Geistesrichtungen oder Gesellschaftsschichten oder Zeitepochen darstellen.

  • Alexander der Große, der sich vor den in einem Fass hausenden Diogenes hinstellte und ihn fragte, welchen Wunsch dieser habe. Der völlig bedürfnislose Philosoph antwortete: „Geh mir ein wenig aus der Sonne!“ Der Feldherr drehte sich zu seinen Leuten um und sagte: „Wäre ich nicht Alexander, wollte ich Diogenes sein.“ 
  • Ein junger, ziemlich selbstbewusster Schriftsteller hatte seinen ersten Roman geschrieben, den er für eine Offenbarung der Weltliteratur hielt. Er schickte sein Manuskript an Gottfried Keller und bat ihn um ein Urteil. Keller las die Seiten durch und schrieb zurück: „Ihr Stil ist recht flüssig, Ihr Werk jedoch überflüssig!“ 
  • Der dänische Märchenautor Hans Christian Andersen war stets schlampig gekleidet. Ein junger Maulheld fragte ihn: „Dieses komische Ding auf Ihrem Kopf nennen Sie Hut?“ Andersen entgegnete: „Dieses jämmerliche Ding unter Ihrem Hut nennen Sie Kopf?“
  • Als sich während einer Vortragstour durch Europa das Gerücht verbreitete, Mark Twain sei plötzlich gestorben, kabelte er nach Übersee: „Nachricht von meinem Tode stark übertrieben.“ 
  • In dem 18. Jahrhundert, als Frankreich durch Hunger geplagt war, zog das Volk aus Paris an den Hof nach Versailles und forderte Brot. Nach einer weitverbreiteten Anekdote soll die französische Königin Marie Antoinette , nachdem ihr berichtet worden war, die Armen könnten sich nicht einmal mehr Brot leisten, geantwortet haben: „ S’ils n’ont plus de pain, qu’ils mangent de la brioche“, auf Deutsch übersetzt: „Wenn sie kein Brot mehr haben, sollen sie doch Brioche essen“.