Komödie

Was ist eine Komödie?

Die Komödie, auch als Lustspiel bezeichnet, ist ein Drama, das sich im Gegensatz zur Tragödie für den Zuschauer durch einen lustigen und unterhaltenden Inhalt und Ablauf auszeichnet, der glücklich endet. An die Stelle der tragischen Erschütterung des Zuschauers treten die Erheiterung und das Lachen, an die Stelle des Heroismus des Helden die Lächerlichkeit und die Entlarvung der menschlichen Schwächen. Die Figuren der Handlung werden überspitzt oder verzerrt dargestellt, um die menschlichen Eigenarten oder Neigungen herauszuarbeiten und um das Publikum zu belustigen. Es kann sich über die Handlungen der Figuren amüsieren, weil sie sich komisch verhalten. 

Die Schilderung der grotesken Charaktereigenschaften oder des bornierten Verhaltens der Figuren provoziert die unterhaltsame Grundstimmung der Komödie, welche primär durch den Kontrast zwischen der bestehenden Erwartung der Zuschauer und den auf der Bühne dargestellten Situationen zustande kommt. Dabei müssen sich die Zuschauer als Voraussetzung vom Bühnengeschehen distanzieren können, um sich darüber amüsieren zu können. Die (scheinbaren) Konflikte in den Stücken werden von den Figuren häufig durch Zufall oder mittels der Schläue, der Naivität oder der Unwissenheit der Protagonisten heiter geklärt. Diese glückliche Auflösung der Handlung bewirkt beim Publikum ein befreiendes Lachen. 

Die Handlung der Komödie zeichnet sich allgemein durch unerwartete Wendungen, Verwicklungen und Täuschungen aus. Die Stücke thematisieren häufig das Gegenüberstellen von Schein und Sein sowie den Widerspruch zwischen erhabenem Ideal und alltäglicher Wirklichkeit. Der komische Effekt beruht auf der fehlenden Ebenbürtigkeit und dem starken Kontrast zwischen den Protagonisten, zum Beispiel zwischen einem Reichen und Armen, einem Gebildeten und Ungebildeten oder zwischen einem vermeintlich Klugen und scheinbar Dummen. Oft üben die Stücke anhand von Karikatur, Parodie, Satire oder Absurdität indirekte Kritik an den sozialen, gesellschaftlichen oder allgemein menschlichen Umständen.

Situationskomik, Sprachkomik und Figurenkomik

In der Komödie werden hauptsächlich drei wichtige Formen des Komischen verwendet: 

1. Die Situationskomik entsteht aufgrund gewisser Handlungen der Figuren, durch welche die Gesetze der Logik aufgehoben werden und sich die Handlung somit wegen unerwarteter Ereignisse in eine andere Richtung entwickelt, als zunächst vom Zuschauer erwartet. Die lustigen Umstände können durch Rollenspiel, Überraschungen, falsche Einschätzungen oder gegenseitige Missverständnisse zustande kommen. Beispiele dafür sind das Verstecken des Liebhabers im Schrank oder unter dem Bett oder die Flucht des nackten Liebhabers dann, wenn der Ehemann überraschend heimkehrt.

2. Die Sprachkomik kann sich aufgrund von Wortwitzen, Wortspielen, Wortwiederholungen oder Wortneuschöpfungen sowie aus der Doppel- oder Mehrdeutigkeit von Aussagen und aus Dialogen, in denen sprachliche Verdrehungen oder Missverständnisse Heiterkeit verursachen, entwickeln.

3. Die Typen- und Figurenkomik entsteht durch das Abweichen von der erwarteten normalen Verhaltensweise der Protagonisten. Die Typenkomödie exponiert bestimmte charakteristische Typen, wie zum Beispiel den Gierigen, den Eigensinnigen, den Prahler, den Einfältigen oder den eingebildeten Kranken. Die Figurenkomik beruht auf dem inkongruenten Benehmen, welches in der Regel auf Charakterschwäche oder allgemein menschlicher Schwäche begründet ist oder auf den skurrilen individuellen Eigenheiten einer Person im Stück.

Geschichte

Der Begriff Komödie ist von dem lateinischen Wort comoedia entlehnt und stammt von den griechischen Wörtern komos (Freudengelage, Feier) und ṓdḗ (Gesang) ab. Die Aufführungen von Komödien wie auch von Tragödien sind ursprünglich in dem antiken Griechenland und in Rom Teil der Feier für die Götter. In Athen werden Komödien seit dem 5. Jahrhundert vor Christus zu Ehren von Dionysos jedes Jahr im März aufgeführt. Der Inhalt der alten griechischen Komödien konzentriert sich auf die spottende Auseinandersetzung mit prominenten Bürgern oder bekannten Persönlichkeiten. In späterer Zeit verlagert sich der Fokus der satirischen Stücke auf die Darstellung verschiedener Personentypen und des alltäglichen bürgerlichen Lebens.

In der Antike bildet die Komödie den Gegenpol zur Tragödie. Während die Tragödien historisch weit zurückliegende Handlungen oder Mythen behandeln, veranschaulichen die Lustspiele den konkreten Alltagsrealismus und zielen auf unterhaltsame Aspekte ab. Während die Figuren der Tragödie dem Adel und den hohen Ständen entstammen, gehören die Protagnisten der antiken Komödie den niedrigen Ständen an. Im Gegensatz zur gehobenen Sprache der Tragödie werden in den volkstümlichen Komödien alltägliche und sogar derbe Dialoge verwendet.

Im alten Rom werden zwei Arten von Komödien aufgeführt: Der aus Sizilien stammende Mimus und die lustspielartige Theaterdarbietung campanische Atellane. Bei beiden Gattungen handelt es sich um eine Art Possenspiel und sie haben eigentlich keine dramatische Handlung zum Inhalt. Als später das griechische Kunstdrama bekannt wird, entsteht in Rom die fabula palliata, eine Komödie nach griechischem Vorbild, deren Inhalt entweder vom Griechischen ins Lateinische übersetzt oder je nach Bedarf an den römischen Geschmack angepasst wird.

Der Mittelalter ist die Blütezeit des Schwanks, eines volkstümlichen Theaterstücks, und der lustigen Fastnachtsspiele, welche von dauerhaft umherziehenden Reisenden gezeigt werden. Erst in der italienischen Renaissance erlebt die Komödie im 15. Jahrhundert und 16. Jahrhundert einen Aufschwung durch die Commedia erudita (klassische gelehrte Komödie), die Commedia dell'Arte (maskiertes Stegreifspiel) und das Schäferspiel (Schauspiel, in welchem die handelnden Personen Schäfer sind). Ab dem 17. Jahrhundert entwickelt sich in mehreren europäischen Ländern und vor allem in England, Spanien und Frankreich eine blühende Komödienkultur, welche zahlreiche romantische Komödien, Situationskomödien und Motiv- und Charakterkomödien hervorbringt, die von berühmten Autoren, wie Shakespeare und Moliere, verfasst werden. In Deutschland wird erst 1767 die erste große deutsche Komödie Minna von Barnhelm des Autors Lessing uraufgeführt.

In den nächsten Jahrhunderten entwickelt sich die Gattung der Komödie in verschiedene Richtungen, wie zum Beispiel die Konversationskomödie, Sozialkomödie, Boulevardkomödie, Abenteuerkomödie, Musikkomödie, Märchenkomödie, Familienkomödie, Fantasy Komödie, Gruselkomödie, Krimikomödie oder die absurde Komödie. Die Gattung ist heute besonders durch Filme populär geworden. 

Unsere Komödien:

Leonce und Lena

Der zerbrochene Krug