Die klassische Tragödie

Die klassische Tragödie, auch aristotelisches Drama genannt, die bis dem 19. Jahrhundert die Bühne dominiert, zeigt folgende Merkmale:

Einheit der Handlung, des Ortes und der Zeit: Die Handlung ist einsträngig und besitzt keine Nebenhandlungen. Sie darf nur an einem Ort stattfinden und muss innerhalb von vierundzwanzig Stunden beendet sein.

Fünf Akte, die wiederum in Szenen unterteilt sind. Der deutsche Schriftsteller Gustav Freytag lässt 1863 in einer Pyramide jedem Akt eine eigene Bedeutung für das gesamte Stück zukommen:

  1. Exposition (Die Figuren und die dramatische Situation werden vorgestellt)
  2. Komplikationen (Der Konflikt wird verschärft)
  3. Klimax (Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt)
  4. Peripetie (Das retardierende Moment bringt Spannung in den Handlungsablauf)
  5. Katastrophe (Untergang des Helden)

Eine einheitliche Thematik, eine gehobene Sprache und eine geschlossene Handlung (Siehe auch dazu Das geschlossene Drama)

Die klassische Tragödie verfolgt einen Zweck: Die Zuschauer, die vergeblich auf ein gutes Stückende hoffen, sollen durch das tragische Scheitern des Helden moralisch gebessert werden. 

Die Nachahmung von menschlichen Handlungen (Mimesis) im Stück soll Mitleid (Eleos) und Schrecken (Phobos) provozieren und zur Reinigung der Seele bei dem Zuschauer (Katharsis) führen.

Die wenigen Hauptfiguren der klassischen Tragödie gehören dem Adel an. Die Ständeklausel wird in dem Bürgerlichen Trauerspiel, das im 18. Jahrhunderts populär wurde, aufgehoben (z.B. Emilia Galotti) und im Lustspiel und Komödie aufgegeben (z.B. Andorra).