Medea und ihre Kinder

In den Augen Medeas ist Iasons Ehebruch reiner Verrat: „Verraten nämlich hat die eigenen Kinder und meine Herrin Iason…“ (S. 11). Überraschend ist es vor diesem Hintergrund, dass die Mutter ihre Kinder in den Konflikt mit ihrem Ehemann einbezieht. Sie scheint ihre gemeinsamen Kinder mit Iasons Versagen zu verknüpfen und richtet daher ihre Wut auch auf sie. Schon früh bemerkt die Amme: „Sie haßt nun ihre Kinder…“ (S. 13). 

Bezüglich ihrer Kinder zeigt sich aber auch, kurz bevor sie diese ermordet, die weiche Seite Medeas, die sie jedoch nicht lange zulassen kann. Sie weiß um ihren „Starrsinn“ (S. 83), der sie zu diesem heftigen Schritt bewegt, und hat kurze Zweifel, ihren Racheplan in die Tat umzusetzen. All die Arbeit, die sie in die Kinder investiert hat, ist umsonst und die Vorstellung davon, gemeinsam zu altern und sie in ihrer Entwicklung beobachten zu können, ist für sie in schmerzlicher Weise hinfällig. Die unschuldigen Blicke ihrer Kinder lassen sie in dem Moment erschauern, in dem si...

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