Vergleich Film und Buch

„Homo Faber“ ist die Verfilmung des Romans „Homo faber“ von Max Frisch. Volker Schlöndorff brachte im Jahr 1991 den Stoff um den Rationalisten Walter Faber, der versehentlich eine Liebesbeziehung zu seiner eigenen Tochter beginnt, auf die Leinwand. Der Vergleich zwischen Buch und Film ist eine interessante Aufgabe. Denn viel Inhaltliches aus dem Buch wird im Film übernommen, vieles wird aber auch weggelassen. Und einige Details kommen völlig neu hinzu.

Zunächst sei gesagt, dass die Handlung in der Verfilmung sich nur um die sogenannte „Erste Station“ aus Max Frischs Roman dreht. Auch wenn dadurch der Großteil der Handlung abgedeckt wird, so lässt der Film die entscheidende Wendung am Ende des Romans aus: Im Film erkrankt Walter Faber nie an Krebs, wie in der „Zweiten Station“ des Buches. Er macht nach dem Tod seiner Tochter auch nicht die entscheidende Reise nach Kuba, auf der er beschließt, sein Leben zu ändern und wieder mit seiner Jugendliebe und der Mutter seiner Tochter zusammenzukommen. Der Film wird eingerahmt durch den gleichlautenden Kommentar am Anfang und am Ende der Handlung, in welchem der Erzähler Walter Faber verrät, dass seine Tochter gestorben sei und er nicht wisse, wie er das bewältigen solle. Er ist kurz davor, aus Athen abzureisen, doch ob er es tut, bleibt offen. Den unterschiedlichen Enden im Film und im Roman ist also doch gemeinsam, dass sie offen sind.

Die Schauspieler spielen allesamt wunderbar und erwecken die Romanfiguren glaubhaft zum Leben. Dies gilt nicht nur für die beiden Hauptdarsteller, Sam Shepard (Walter Faber) und Julie Delpy (Elisabeth Piper), sondern auch für die wichtigen Nebenfiguren. Die Figur der Ivy (gespielt von Deborra-Lee Furness) ist ebenso eine recht eindimensionale Verkörperung der stereotypen amerikanischen Frau, wie sie im Roman beschrieben – das heißt, wie sie von ihrem Liebhaber, dem Protagonisten Walter Faber, angesehen wird. Herbert, der deutsche Bekannte Walters, hätte nicht besser als von Dieter Kirchlechner dargestellt werden können. Und Hanna (gespielt von Barbara Sukowa) im Film ist genauso vernünftig, leicht verbittert und mütterlich, wie man es sich beim Lesen des Romans vorstellt. Über das äußerliche Detail, dass die Film-Hanna blond ist, während sie im Roman als schwarzhaarig beschrieben wird, kann man daher hinwegsehen.

Mit Blick auf die anderen Figuren gibt es einige wichtige Veränderungen zu vermerken. Die Figur des Marcel und die Figur des Professor O. fehlen in der Verfilmung komplett. Dafür bekommt Elisabeths Freund Kurt viel mehr Platz im Film als im Buch. Während Walter im Buch von Elisabeth erfährt, dass ihre Beziehung zu Kurt nicht besonders ernst zu nehmen sei, geht Walter im Film selbst zu Kurt hin und fragt ihn, ob die beiden eigentlich verlobt seien.

Der Film versucht, im Aufbau dem Roman gerecht zu werden. Durch die Einblendung von Walters Erinnerungen, insbesondere an seine Beziehung mit Hanna, werden die im Roman häufig auftretenden Rückblenden dargestellt. Dass im Roman der Icherzähler über die Geschehnisse der letzten drei Monate berichtet, ist im Film insofern umgesetzt, dass auch hier die Erzählerstimme Walters die Handlung kommentiert.

Viele Details aus dem Roman kann der Zuschauer im Film wiederentdecken. Auch im Film spielen Walter und Herbert einige Tage nach dem Flugzeugabsturz, als sie in der Wüste ausharren müssen, Schach. Und Walter nutzt die Zeit, um mithilfe seiner kleinen Schreibmaschine an seine Geliebte zu schreiben, dass er die Beziehung beenden wolle. Elisabeth trägt im Film einige Male das im Roman beschriebene blaue Sommerkleid und auch die schwarzen Cowboyhosen, die Walter so sehr auffallen. Sie spielt mit Begeisterung Pingpong – wie im Roman. Als sie von ihrer Mutter erzählt, bemerkt sie, dass Hanna extra Klavier gelernt habe, um ihre Tochter beim Geigenspiel begleiten zu können. Auch dieses Detail stimmt mit der literarischen Vorlage überein.

Andere Details sind leicht verändert im Film dargestellt. Im Buch passiert der Zwischenfall am Flughafen, bei dem Walter einen Schwächeanfall hat und fast beschließt, nicht...

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