Schuld

Schuld ist ein wichtiges unterschwelliges Thema in „Homo faber.“ Es liegt der versehentliche Inzest zwischen dem Protagonisten und seiner Tochter vor, und der Protagonist kämpft mit seinem Gewissen. Das merkt man daran, dass er sehr häufig versucht, seine Handlungen in der Retrospektive zu rechtfertigen oder sich einzureden, er habe kein triebhaftes Verlangen nach Elisabeth gehabt: „Ich wollte das Mädchen nicht anfassen“, (S. 87). Verschlimmert wird die Situation dadurch, dass Elisabeth stirbt und somit eine Opferrolle einnimmt.

Walter Faber hat eine Vorliebe für sehr junge Frauen. Dadurch kommt es überhaupt dazu, dass er sich mit der zwanzigjährigen Elisabeth auf eine Beziehung einlässt – und diese junge Frau ist tragischerweise seine eigene Tochter. Man muss aber beachten, dass Faber ahnungslos ist. Moralisch mag es Zweifel geben, denn, ob man Beziehungen mit sehr großem Altersunterschied der Partner als „normal“ einstufen möchte, ist eine persönliche Entscheidung. Doch wissentlicher Inzest kann Faber nicht angelastet werden.

Sicherlich hat Faber einen Hang dazu, sich von jüngeren Frauen sexuell angezogen zu fühlen. Seine Geliebte zu Beginn der Handlung, Ivy, ist nur 26 Jahre alt (S. 61). Sie ist damit vielleicht nicht mehr so jugendhaft wie die zwanzigjährige Elisabeth mit ihrem „Kindermund“ (S. 190), aber immerhin ist Faber fast doppelt so alt wie sie. Ein noch deutlicherer Altersunterschied besteht zu der Kubanerin Juana, die nur 18 Jahre alt ist. Hier geht Faber kein Verhältnis ein, aber dass er sich zu ihr hingezogen fühlt, wird deutlich dadurch, wie er ihre attraktiven Attribute aufzählt: „Ihre langen und dünnen Hände – (…) Ihr Lachen dazu. (…) ihre geradezu lieben Augen (…) Ihre braunen Arme als Stützen rückwärts gespreizt, (…) ihr weißes Kopftuch und das schwarze Haar, ihre unglaublich schönen Füße, (…) Ihre Unbefangenheit. (…) Ihre Ohrringe, ihre Haut. (…) und i...

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