Autobiografische Bezüge

Reise nach Prag, Bekanntschaft mit Brecht und Dürrenmatt

Wie in allen Werken Frischs fließen auch in dieses Drama autobiografische Elemente mit ein. Dies zeigt sich allein schon darin, dass die „Burleske“ – und damit der Grundstock für das spätere Drama – in Frischs literarischem „Tagebuch“ enthalten sind. Die „Burleske“ ist zwischen den Eintragungen zum Januar und zum April 1948 platziert, in denen sich Frisch mit dem Umsturz in der Tschechoslowakei und der Machtübernahme der Kommunisten auseinandersetzt. Dies lässt vermuten, dass Frisch in dieser Erzählung seine Reise nach Prag literarisch verarbeitet hat und ihn damit seine persönlichen Erlebnisse und Eindrücke zum Verfassen der Prosa-Skizze angeregt haben.

Wichtig für die Ausgestaltung seines „Lehrstücks ohne Lehre“ war auch Frischs Kontakt zu Bertolt Brecht (1898–1956), mit dem er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Bekanntschaft geschlossen hat. Vor allem der Untertitel zeigt deutlich, dass sich Frisch im „Biedermann“ kritisch mit Brechts Lehrtheater auseinandergesetzt hat. Zum anderen inspirierte ihn Brechts Konzeption des epischen Theaters dahin gehend, nun ebenfalls auf Verfremdungseffekte, wie zum Beispiel den Chor oder Publikumsansprachen, zurückzugreifen.

Einen wichtigen Anstoß zur Ausarbeitung des Stücks gab auch die enge Freundschaft mit Friedrich Dürrenmatt (1921–1990), der ihn zumindest indirekt zum Verfassen des Stücks animiert hat: Während eines Treffens im Jahr 1955 entwickelten die beiden die Idee, dass Dürrenmatt ein Gegenstück zum „Biedermann“ schreiben könnte, ein sogenanntes „Knechtling-Stück“. Auch wenn dieses Vorhaben nie in die Realität umgesetzt wurde, hat es doch mit dazu beigetragen, dass Frisch zwei Jahre später mit der dramatischen Ausgestaltung begonnen hat.

Private Umstände un...

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