Rezeption und Kritik

Gesellschaftliches Klima

Die Uraufführung von „Andorra“ fällt in die Zeit der Aufarbeitung der Vergangenheit in Deutschland. Durch die Auschwitzprozesse aber auch durch den Eichmann-Prozess in Israel wird in Deutschland eine Kehrtwende vollzogen. Die Verdrängung, die noch in den 1950er-Jahren in Deutschland herrschte, wird aufgegeben, und es kommt zur aktiven Aufarbeitung der Verbrechen unter der Gewaltherrschaft der Nazis. Daher wurde „Andorra“ vielfach im Rahmen der aktuellen Zeitgeschichte gelesen, d. h. als eine Aufarbeitung der Geschehnisse in Deutschland von 1933 bis 1945. Das verwundert nicht, denn so, wie einige Figuren im Drama agieren, ist diese Lesart durchaus legitim.

In der Schweiz wurde das Werk als eine Allegorie auf die neutrale Haltung des Landes während der Herrschaft der Nationalsozialisten begriffen. Die Andorraner stehen dann für eine fügsame Schweiz im Angesicht der Schwarzen, den Nazis. Friedrich Dürrenmatt, ein Schweizer, behauptete dementsprechend, dass „Andorra“ gar keine andere Lesart zulassen würde, und stellt sich somit gegen eine offene Interpretation des Werkes. Für ihn sind die Schwarzen die Nazis und die Andorraner die Schweiz. Die Konzeption des Werkes sei so auffällig auf die Situation der Schweiz während des Dritten Reichs zugeschnitten, das...

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