Historischer Hintergrund

Antisemitismus

Wenngleich Frisch im Laufe der Jahre darauf hingewiesen hat, „Andorra“ könne nicht nur im Rahmen von Antisemitismus und Judenverfolgung verstanden werden, ist die Entstehung des Textes ohne den Zivilisationsbruch der Judenvernichtung im Dritten Reich wohl nicht denkbar. Dabei ist die Verfolgung von Juden kein Phänomen des 20. Jahrhunderts. Schon in vorchristlicher Zeit soll es Judenfeindlichkeit gegeben haben. So wird im Buch Ester des Alten Testaments davon berichtet, dass im Perserreich unter dem König Xerxes (485-465) Juden angefeindet wurden. Damals lagen die Motive im Monotheismus der Juden. In der persischen Gesellschaft gab es verschiedenste Götter, dem stand der eine Gott der Juden gegenüber. Außerdem waren Juden in der bäuerlichen Gesellschaft Händler und hatten eine privilegierte Stellung, was ihnen Neid und Missgunst einbrachte.

Für die Christen waren die Juden im Mittelalter besonders die Mörder des Gottessohnes Jesus. Der Vorwurf des „Gottesmordes“ wurde dann benutzt, um antijüdische Ausschreitungen zu rechtfertigen. Diese Spannungen treten im Zuge des ersten Kreuzzuges (1096-1099) erstmals offen zutage. Die Kreuzfahrer überfielen jüdische Gemeinden in Lothringen und am Rhein und löschten diese fast vollständig aus. Damit begann die jahrhundertelange, gewalttätige Verfolgung der Juden. Dabei war der Gottesmord als Motiv für die Verfolgung nur vorgeschoben, denn tatsächlich standen hinter den Pogromen Neid und finanzielle Schulden von Christen bei Juden.

Im Rahmen des zweiten Kreuzzugs (1147-1149) kamen noch der Vorwurf des Ritualmordes an Kindern und die Hostienschändung als Vorurteile hinzu. Der Höhepunkt des Antisemitismus dieser Zeit ist der 4. Laterankonzil 1215; dort wird beschlossen, dass Juden sich durch ihre Kleidung von der übrigen Bevölkerung unterscheiden sollen. Dazu sollten sie mit dem Judenfleck markiert werden und einen dazugehörigen Hut tragen, was wie eine Vorausdeutung auf den Umgang der Nationalsozialisten mit den Juden erscheint. Nun beginnt auch die Ghettoisierung von Juden in größeren Siedlungen. Diese drastische antijüdische Haltung hält über hundert Jahre an.

Während der Pestepidemie („Schwarzer Tod“) 1347-1353 mussten die Juden als Sündenböcke für die Pandemie herhalten. Durch ihre strengen Essensregeln und ihre sehr guten Hygienestandards erkrankten weniger Juden als Christen an der Pest. So hielt man den Juden vor, Urheber der Pest zu ein, was dazu führte, dass Hunderte jüdische Siedlungen in Europa zerstört wurden. Bis ins 16. Jahrhundert hinein gab es immer wieder Wellen von Verfolgungen, sodass viele Juden nach Osteuropa umsiedelten. Besonders abscheulich hat sich Martin Luther gegenüber Juden geäußert. In seiner Schrift „Von den Juden und...

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