Charakterisierung Barblin

Furcht und Mut

Barblin ist die 19-jährige Tochter (S.11) des Lehrers. Sie weiß nicht, dass sie Andris Halbschwester ist. Sie ist die einzige Person, die im Personenregister einen richtigen Namen hat, daher stellt sie neben Andri die einzige Figur dar, die nicht als Typ wahrgenommen werden soll, sondern als Individuum.

Sie äußert das erste und das letzte Wort im Drama. Aufgrund dessen ist es an ihr, die im Stück entwickelten Einsichten kommunikativ einzufangen. Die Handlung beginnt mit ihr, als sie das Haus ihres Vaters weißelt. Die Handlung endet damit, dass sie den Platz von Andorra weißelt. Zwischen diesen beiden Szenen liegt die Leidensgeschichte der Figur.

Anfangs verhält sich Barblin passiv, zum Schluss verkörpert sie eine aktive Figur. Sie ist von den Zudringlichkeiten des Soldaten irritiert (S.7f.) und kann diesen nur mit der Repetitio „Ich bin verlobt“ (S.8) abwehren. Außerdem hat sie Angst vor den Schwarzen, die sie gegenüber dem Pater zur Sprache bringt: „Ist’s wahr, Hochwürden, was die Leut sagen? Sie werden uns überfallen, die Schwarzen da drüben, weil sie neidisch sind auf unsre weißen Häuser. Eines Morgens, früh um vier, werden sie kommen mit tausend schwarzen Panzern […] und mit Fallschirmen wie graue Heuschrecken vom Himmel herab“ (S.10). Der Pater versucht, sie zu beruhigen (S.11), doch wird dieser Angst nochmals Nachdruck verliehen, wenn sie wiederum als Repetitio fragt: „Und wenn sie trotzdem kommen?“ (S.11 u. S.12).

Barblin Furcht verweist indes auf das Ende des Stückes. Sie bezieht sie auch auf den konkreten Umgang der Schwarzen mit den Juden: „Wenn einmal die Schwarzen kommen, dann wird jeder, der Jud ist, auf der Stelle geholt. Man bindet ihn an einen Pfahl, sagen sie, man schießt ihn ins Genick. […] Und wenn er eine Braut hat, die wird geschoren, sagen sie, wie ein räudiger Hund“ (S.12). Hier zeigt sich der Mut Barblins, der später beim Überfall der Schwarzen noch offensichtlicher wird. Trotz ihrer Befürchtungen rückt sie nicht von ihrem Plan ab, Andri zu heiraten, obwohl sie bei einem möglichen Überfall durch die Schwarzen geächtet würde, was schlussendlich auch passiert.

Passiv und distanziert

Trotz dieser mutigen Haltung ist die Figur am Anfang von umfassender Passivität gekennzeichnet. Sie erwähnt gegenüber ihrem Verlobten Andri nie ihre Ängste. Stattdessen will sie ihm im zweiten Bild durch ihre Zärtlichkeit nahe ...

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