Charakterisierung Andri

Ein verliebter Junge

Andri ist die Mittelpunktfigur des Dramas. Abgesehen vom 5.Bild, ist er immer präsent. Andri ist zwanzig Jahre alt (S.37) und der vermeintliche Ziehsohn des Lehrers. Andri verkörpert im ersten Moment einen normalen jungen Mann. Er spielt gerne Fußball (S.30), er hört gerne Musik (S.8, 12, 13) und er möchte eine gute Ausbildung absolvieren.

Zu Anfang der Handlung ist Andri noch Küchenjunge beim Wirt (S.8), doch der Lehrer handelt mit dem Tischler eine Ausbildung für den Betrag von 50 Pfund aus (S.13f.), sodass Andri feststellt, „ich werde Tischler!“ (S.18).

Er ist in ein junges Mädchen, Barblin, verliebt, das er später gerne „heiraten“ (S.18) möchte. Auf den ersten Blick ist an der Figur also überhaupt nichts Ungewöhnliches festzustellen. Der einzige Unterschied zu den anderen besteht darin, dass er überaus reflektiert ist. Er denkt darüber nach, „[o]b’s wahr ist, was die andern sagen“ (S.25), und kann nicht verstehen, „wieso ich anders bin als alle“ (S.27). Er erkennt die Gefahr absoluter Vorurteile, die er als „das Böse“ (S.28) bezeichnet.

Identitätssuche

Am Anfang will Andri sich demnach in Andorra integrieren. Doch seine Gewissheit bzw. Hoffnung, ein gutes Leben in Andorra führen zu können, wird sehr früh getrübt. Schon am Ende des ersten Bildes, als Andri sich über seine bevorstehende Ausbildung und die sich daran anschließende, wahrscheinliche Hochzeit mit Barblin freut, bekommen seine Zukunftspläne Risse. Der Soldat taucht betrunken auf und streitet sich mit ihm und will ihm sogar Barblin wegnehmen, auf die er „ein Aug“ (S.19)  geworfen hat.

Als er nach Beginn seiner Ausbildung dem Tischler seinen Stuhl präsentieren will, zerschlägt dieser den Stuhl des Gesellen und wirft Andri vor, es wäre sein Stuhl und dass er unfähig sei, er habe den Beruf des Tischlers nicht „im Blut“ (S.32).

Die Sicherheit, in der sich Andri bewegt, ist demnach relativ schnell erschüttert. Es beginnt seine Suche nach der Identität. Wie schon angedeutet, ist er bereits im zweiten Bild während des Gesprächs mit Barblin sehr nachdenklich gestimmt und versucht zu verstehen, was die anderen über ihn denken und ob das wahr ist (S.25-28). Diese Sinnsuche setzt sich im dritten Bild fort. Im Streit mit dem Tischler äußert Andri: „[I]hr dreht es immer gegen mich, und der Hohn nimmt kein Ende“ (S.34).

Materialisiert wird das vorverurteilende Verhalten durch den Stuhl verkörpert, den Andri fertigt. Er beweist Andris Können und seinen Willen, an der andorranischen Gesellschaft teilzuhaben. Doch der Tischler glaubt ihm nicht, sodass Andri voller Unverständnis ausruft: „Warum schmähen Sie mich? Sie sitzen auf meinem Stuhl. Alle schmähen mich und frohlocken und hören nicht auf. Wieso seid ihr stärker als die Wahrheit? Sie wissen genau, was wahr ist, Sie sitzen drauf –"„ (.35).

Jude im Blut

Der Tischler äußert darauf hin, dass Andri lieber im Verkauf arbeiten solle, weil er den Umgang mit Geld als Jude doch im Blut habe (S.35). Mit dieser ersten Zurückweisung wird ein Prozess eingeläutet, in dessen Verlauf Andri die Vorurteile seiner Umgebung übernimmt.

Ein weiterer Schritt in diese Richtung geht die Figur, als der Lehrer die He...

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