Raubtierkapitalismus

Ausbeutung und Profit

Der Begriff Raubtierkapitalismus oder auch Turbokapitalismus beschreibt eine Form des Kapitalismus, welche allein auf die Maximierung von Profiten ausgerichtet ist. Soziale Aspekte werden dabei ignoriert. Das erklärte Ziel dieser Form des Kapitalismus besteht in einer möglichst hohen (oftmals nur kurzfristigen) Effizienz.

Diese Entwicklung begann während der 1980er Jahre, als vor allem die großen, international tätigen Unternehmen immer mehr Druck auf ihre Mitarbeiter ausübten. Um Kosten zu sparen, reduzierten die Firmen Personal, sodass die verbleibenden Angestellten immer mehr arbeiten mussten. Gleichzeitig stagnierte das Lohnniveau, während immer mehr Kapital in die Finanzmärkte investiert wurde.

Waren wurden in dieser Zeit zunehmend in Billiglohnländern, wie Indien oder China, produziert, sodass noch mehr Jobs verloren gingen und die Löhne sogar noch sanken. Der Raubtierkapitalismus führte dazu, dass Geld nun nicht mehr in Waren und Dienstleistungen investiert wurde, sondern in international gehandelte Finanzprodukte. Vermögen wurde hauptsächlich mit dem Geld erzielt, das Spekulanten und Banker an der Börse und auf den Finanzmärkten zu gigantischen Summen vermehrten.

Im Zuge dieser Entwicklungen gelang es den Großunternehmen, innerhalb kurzer Zeit extreme Gewinnsummen zu erzielen. Um hohe steuerliche Abgaben zu umgehen, brachten viele Firmen ihr Geld in sogenannten Steueroasen, wie auf den Bermudas oder den Cayman-Inseln in Sicherheit. Sie legten das Vermögen bei bestimmten Banken in Ländern, wie Schweiz oder Jersey an und mussten dadurch einen viel geringeren Steuersatz bezahlen, als dies in Deutschland der Fall gewesen wäre.

Ott als Raubtier

Obwohl der Investor Pius Ott bereits Multimillionär (S. 256) ist, ist er Tag und Nacht mit der Vermehrung seines Reichtums beschäftigt. Dies verdeutlicht auch die Tatsache, dass er sich während seines Erholungsaufenthalts in der Klinik Eschengut in seinem Zimmer einen Arbeitsplatz eingerichtet hat:

„Ein Viertel des Wohnraumes nahm ein Tisch ein, auf dem drei Bildschirme standen. Auf jedem liefen Börsenkurse. Daneben lagen akkurat gebündelte Papiere und exakt ausgerichtet drei Handys. Ein Faxgerät und ein Papierwolf komplettierten Otts temporäre Infrastruktur“ (S. 153).

Wie es für die Spekulanten des Raubtierkapitalismus typisch ist, nimmt auch der Investor Pius Ott keine Rücksicht auf menschliche Schicksale. Im Roman benutzt er sogar seine Spekulationsgeschäfte dazu, um persönliche Rache zu üben: Er entwirft gemeinsam mit Urs Blank eine Haftungsklausel, die der Manager des ELEGANTSA-Konzerns, Dr. Fluri, unterschreiben muss, um seine wahre finanzielle Situation zu verschleiern (S. 36).

Dadurch nimmt Ott nicht nur den finanziellen Ruin Fluris billigend in Kauf, sondern schafft ...

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