Psychologischer Roman

Definition

Der psychologische Roman erlebte seine Blütezeit während des 19. Jahrhunderts. Berühmte Beispiele sind z.B. Anton Reiser von Karl Philipp Moritz oder auch die Werke Dostojewskijs. In dieser Romangattung steht das Innenleben des Protagonisten im Vordergrund und wird eingehend geschildert. Dabei liegt der Schwerpunkt des Werks auf der psychischen Ausnahmesituation seiner Hauptperson.

Krise und Veränderung bei Urs Blank

Suters Protagonist Urs Blank erlebt im Roman eine Ausnahmesituation, wobei sein Zustand über einen Zeitraum von gut einem halben Jahr geschildert wird. Der Leser erfährt kaum etwas über Blanks Vergangenheit, da seine gegenwärtige seelische Krise den Schwerpunkt bildet. Gleich zu Beginn der Geschichte äußert ihr Protagonist seine Unzufriedenheit über sein Leben. Diese manifestiert sich in der Tatsache, dass er es seit Jahren nicht mehr geschafft hat, einen Spaziergang im Wald zu unternehmen (S. 7).

Außerdem ist sich Blank darüber im Klaren, dass „er sowieso ein paar Dinge in seinem Leben ändern“ sollte (S. 17). Kurz darauf beginnt er eine Affäre mit dem Hippiemädchen Lucille, durch die ihm bewusst wird, dass er in seiner langjährigen Partnerschaft mit Evelyne nicht glücklich war: „Die einzige Sache, die vorbeigehen wird, ist die zwischen Evelyne und mir“ (S. 49).

Blank genießt die Veränderungen in seinem Leben so sehr, dass er noch einen Schritt weitergeht und sich von Lucille zu einem Trip mit bewusstseinsverändernden Pilzen überreden lässt (S. 61). Martin Suter beschreibt sehr anschaulich, was während des Trips in Blanks Innenleben passiert:

„Im Wald herrschte hoher Wellengang. Woge um Woge kam der Waldboden auf Blank zu. (…) Eine neongrüne Welle folgte einer phosphorgelben, einer saphirblauen, einer karminroten. Und die Bäume tanzten dazu, wie Bojen im aufgewühlten Meer (…) Die moosigen Wellen nahmen den Takt auf, die Tannen und Fichten wiegten sich darin“ (S. 76).

Nach dem Pilztrip verspürt Blank ein großes Bedürfnis nach Einsamkeit und zieht sich immer mehr in den Wald zurück. Gleichzeitig lösen menschliche Begegnungen in ihm Aggressionen aus, die Blank nur durch Flucht kontrollieren kann. Dabei reflektiert er immer wieder seinen seelischen Zustand. Nachdem Blank im Wald zwei Mal von Menschen beobachtet worden ist, zieht er Konsequenzen:

„Beide Male stieg ein Haß in ihm auf, den zu besänftigen ihn den restlichen Tag kostete. Um sich und die Waldspaziergänger vo...

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