Willensfreiheit

Der Begriff „freier Wille“ lässt sich auf unterschiedliche Weisen deuten. Wörtlich verstanden, bedeutet er, dass das, was ein Mensch will, also haben oder tun möchte, von niemand anderem als ihm selbst bestimmt wird. Die Willensfreiheit korreliert mit der Handlungsfreiheit. Will man etwas haben oder tun, sollte man auch die Möglichkeit haben, danach zu handeln, denn sonst lässt sich der Wille nicht in die Realität umsetzen. Willensfreiheit bedeutet auch, die Wahl zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten zu haben, denn ansonsten ist die Handlung nicht frei. Natürlich gibt es immer etwas, dass die Willensentscheidung beeinflusst. Aber diese Beeinflussung kann vom Handelnden selbst kommen, sozusagen von innen heraus, oder von außen. Je mehr die Steuerung dessen, was ein Mensch will, von außen kommt und nicht von ihm selbst, desto weniger frei ist sein Wille.

In Diktaturen ist es ein wichtiges Ziel der Herrschenden, die Willensfreiheit der Menschen so klein wie möglich zu halten. Alle sollen mit der Ideologie des Führers oder der herrschenden Partei übereinstimmen und sich keine freie Meinung bilden, die möglicherweise sogar gegen das System sein könnte. Das Volk wird möglichst viel und andauernd mit den Ansichten der Herrscher indoktriniert. Der Wille wird also sehr stark von außen gesteuert. Auch die Wahlen sind in diktatorischen Regimen nicht frei. Es werden also Handlungsoptionen eingeschränkt, um zu verhindern, dass jemand anderes an die Macht gewählt wird.

In „Mario und der Zauberer“ ist die Willensfreiheit ein wichtiges Thema. Es lässt sich mit dem Thema Faschismus verbinden, da Mussolini ab 1926 auch aus Italien einen diktatorischen Staat machte.

Um das Volk so ungestört wie nötig indoktrinieren zu können, werden in Diktaturen Personen, die Widerstand leisten oder das System öffentlich kritisieren, bekämpft. So geschieht es auch mit Figuren in „Mario und der Zauberer“. Im Abschnitt zum Faschismus wurde bereits beschrieben, wie der Zauberer Cipolla den Widerspruch des jungen Giovanotto unterdrückt, indem er ihm zeigt, dass er ihn besiegen kann (S. 56-60). Dies ist das gleiche Prinzip, als ob Cipolla ein Diktator wäre und Giovanotto ein Widerständler.

Cipolla stellt Giovanotto am Anfang ihrer Begegnung ein paar Fragen, die mit dem Thema Willens- und Handlungsfreiheit verbunden sind. Er tut dies, um Giovanotto vorzuführen. Der junge Mann hatte nämlich, bevor der Zauberer sein Publikum begrüßen konnte, laut „Buona Sera“ gerufen und den Zauberer damit provoziert (S. 42). „Du tust, was du willst. Oder hast du schon einmal nicht getan, was du wolltest? Oder gar getan, was du nicht wolltest? Was nicht du wolltest?“ (S. 43). Giovanotto scheint tatsächlich eher ein Mensch zu sein,...

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