Nationalismus

Nationalismus kann in verschiedenen politischen Systemen vorkommen. Im italienischen Faschismus war er ein wichtiger Aspekt der Politik und der Gesellschaft, genauso wie auch im deutschen Nationalsozialismus. Merkmale des Nationalismus sind zum Beispiel Patriotismus, der gemeinsame Wille, bestimmte Ziele innerhalb einer Nation zu erreichen, und die Betonung von nationaler Symbolik. In extremeren Fällen ist der Nationalismus auf die scharfe Abgrenzung der eigenen Nation gegenüber anderen Nationen, anderen Kulturen und Menschen anderer Herkunft gerichtet. Dies führt dann zu einer Herabsetzung anderer Länder und Kulturen und zu Werten, die sich von den eigenen unterscheiden. Der Stolz auf das eigene Land wird überhöht. Ausländerfeindlichkeit, Intoleranz, übermäßige Konzentration auf die Stärke der eigenen Nation und Benachteiligung von Minderheiten sind die Folgen.

In „Mario und der Zauberer“ erlebt der Erzähler diese Auswirkungen persönlich bei der Begegnung mit italienischen Urlaubern und auch bei der Zauberveranstaltung. Die Ausländerfeindlichkeit begegnet ihm und seiner Familie gleich zu Beginn des Urlaubs, in den ersten Tagen im „Grand Hôtel“. Dort ist die Veranda mit der schönen Aussicht zur Essenszeit den italienischen Gästen vorbehalten. Der Erzähler wundert sich darüber sehr, unterlässt es aber, sich darum zu streiten (S. 14). Erst in der nächsten Episode eindeutiger Diskriminierung wird es der Familie zu viel und sie wechselt die Unterkunft. Eine italienische Fürstin reagiert übertrieben ängstlich auf nächtliches Husten der deutschen Kinder. Sie verlangt, dass die deutsche Familie in ein anderes Gebäude zieht. Die Familie zieht einen Arzt zurate, der den Husten als unbedenklich deklariert. Trotzdem wird die Familie von der Hotelleitung in ein anderes Gebäude verwiesen. „Es ist unwahrscheinlich, daß (sic) die wortbrüchige Hartnäckigkeit, auf die wir stießen, diejenige der Fürstin war. Der servile Gastwirt hatte wohl nicht einmal gewagt, ihr von dem Votum des Doktors Mitteilung zu machen“ (S. 17). So schätzt der Erzähler den Verlauf ein, der dazu führte, dass seine Familie weggeschickt werden sollte. Das Hotelpersonal ist also nicht unbedingt feindlich den ausländischen Gästen gegenüber. Es unterwirft sich nur dem Zeitgeist. Auch in der Veranda-Episode wird beschrieben, dass das Personal „mit etwas verlegener Höflichkeit“ (S. 14) die schlechte Nachricht überbringt. Den Einheimischen, die im Tourismusbereich arbeiten, ist es unangenehm, dass sie nicht-italienische Touristen diskriminieren müssen. Dennoch tun sie es.

Der Erzähler spricht sich eindeutig gegen die nationalistischen Tendenzen aus: „Zusammenstöße mit dem landläufig Menschlichen, ...

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