Faschismus

Die politische Gesinnung des Faschismus herrschte in Italien in den Jahren 1922 bis 1945 unter der Führung von Benito Mussolini. Thomas Mann, der Italien in den 1920er Jahren besuchte, erlebte die Auswirkungen des Regimes. In dieser Zeit verbreitete sich auch in Deutschland ähnliches Gedankengut unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Bewegung. Thomas Mann beobachtete diese Entwicklungen mit Sorge und Skepsis. In „Mario und der Zauberer“ werden unter anderem die Auswirkungen des Faschismus aus der Sicht eines deutschen Urlaubers dargestellt. Die Figur im Mittelpunkt der Novelle ist der Zauberer Cipolla, dessen Eigenschaften und Wirkung an die der Führerfiguren der faschistischen und nationalsozialistischen Gesinnungen ab den 1920er Jahren erinnern. Das soll nicht bedeuten, dass Cipolla eine eindeutige Nachstellung Mussolinis ist, aber es sind Parallelen zu erkennen.

In der Hitze der Hochsaison leidet der Icherzähler unter der „Schreckensherrschaft der Sonne“ (S. 20). Das Wetter ist unerträglich heiß in der Zeit, als auch viele italienische Urlauber in Torre di Venere sind. Unter deren Mentalität leidet der Erzähler ebenfalls. Doch, als die italienischen Urlauber abreisen und sich die Lage entspannt, ändert sich auch das meteorologische Klima. Die „Schreckensherrschaft der Sonne“ ist also zeitgleich mit der Anwesenheit der unangenehmen Urlaubsgäste an dem Ort. Das kann als ein symbolischer Zusammenhang gesehen werden. Die italienischen Urlauber repräsentieren das Volk im Faschismus, während die „Schreckensherrschaft“ ein Symbol für die Diktatur als Herrschaftsform ist. Es handelt sich insgesamt um ein Gleichnis zur faschistischen Diktatur Italiens in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Die faschistische Gesinnung der italienischen Urlaubsgäste lässt sich in bestimmten Erlebnissen, die die deutsche Familie hat, erkennen. In der Episode, als die Tochter der Erzählerfamilie sich nackt am Strand zeigt und einen Sturm der Entrüstung auslöst, ist der Wortführer der aufgeregten Menschengruppe ein „Herr in städtischem Schniepel“ (S. 27). Dieser trägt neben dem Frack auch einen Melonenhut. Diese Bekleidung scheint dem Erzähler für den Strand unangemessen korrekt. Sie wirkt vor dieser Kulisse verkrampft und spießbürgerlich. Der Herr „im ...

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