Die Kapelle

Einleitung, Aufbau, Reimschema und Metrik

Johann Ludwig Uhland schreibt das Gedicht "Die Kapelle" während seiner Studienzeit im Jahr 1805 für die Teilnahme an einem schwäbischen Dichterwettstreit zur Wurmlinger Kapelle. Das Gedicht, in einem für den Dichter nicht untypischen Volksliedton verfasst, vereinigt in sich Tod und Leben sowie Trauer und Freude und veranschaulicht auf diese Weise die Endlichkeit des einen durch die Gegenwart des anderen.

Das Gedicht besteht aus drei Strophen zu je vier Verszeilen. Angesichts der religiösen Thematik könnte die Entscheidung des Dichters für drei Strophen als ein Hinweis auf die Dreieinigkeit bedeutet werden. Das Reimschema ist abab cdcd efef. Die Kreuzreime bestehen aus reinen Reimen und entsprechen der Variation der Kadenzen, beginnend mit den weiblichen, klingenden Endungen. Das Metrum ist ein gleichmäßiger vierhebiger Trochäus, welcher in Verbindung mit dem gleichmäßigen Wechsel der Kadenzen die Einprägsamkeit des Gedichts steigert und eine gewisse Musikalität erzeugt, die als eine stilistische Versinnbildlichung der klingenden Glocke interpretiert werden kann.

1. Strophe

Die erste Strophe ist in zwei Abschnitte unterteilt, die durch die kontrastiven Begriffe „Droben“ - „Drunten“ eingeleitet werden. Die Antithese[1] wird darüber hinaus mit einer Alliteration[2] unterstützt. Der Kontrast der beiden Abschnitte ist damit jedoch nicht erschöpft, sondern erstreckt sich weiterhin auf die Thematik.

Der erste Teil wird durch die Alliteration „stehet“ - „schauet“ - „still“ geprägt. Dieser leise säuselnde, rauschende Laut unterstreicht die Stille und Ruhe oben. Die Kapelle, welche von dem Dichter die Fähigkeit zu schauen bekommt, erscheint personifiziert. Sie bekommt damit menschliche Züge, blickt hinab und scheint emotional mit Trauer aufgeladen. Diesem Schwermut werden im zweiten Abschnitt der Strophe die Freude und Ausgelassenheit des Hirtenknaben entgegengesetzt.

Die Verszeilen drei und vier sind durch ein Enjambement miteinander verbunden. Die Parallelität zwischen „Wies´ und Quelle“ - „Froh und hell“ unterstreicht den Zusammenhang zwischen der Freude des Jungen einerseits und der grünen, lebendigen Natur andererseits.

Die durch Inversion[3] betonten Satzteile in den Verszeilen eins und drei, welche die beiden Strophenabschnitte ein...

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