Der Wirtin Töchterlein

Einleitung, Aufbau, Metrik und Reimschema

Die Ballade „Der Wirtin Töchterlein“ schreibt Johann Ludwig Uhland im Jahr 1808 während seines Studiums der Rechtswissenschaft in Tübingen. Er ist damals Mitglied in einem Kreis, der sich mit Poesie beschäftigt und in dem er gemeinsam mit Justinus Kerner und Karl Mayer den modernen Ansatz der Romantik vertritt. In dieser Zeit, bis zum Abschluss und der Parisreise des Dichters im Jahr 1810, verfasst er einen beträchtlichen Teil seiner Lyrik, welcher nicht nur die Erstversuche, sondern auch seine bekanntesten und besten Texte enthält.

„Der Wirtin Töchterlein“ ist eine typische Ballade, die Elemente der Lyrik, Epik und Dramatik in sich vereint. Die gebundene Form verleiht dem Text eine lyrische Komponente. In zehn Strophen zu je zwei Versen erzählt Uhland die Geschichte dreier Wanderer, die bei einer Wirtin einkehren und verlangen, ihre Tochter zu sehen, die jedoch kürzlich verstorben ist. Die Handlung enthält auch direkte Rede: In einem Dialog kommen die Wirtin und jeder Wanderer zu Wort.

Die Sprache des Textes ist einfach und volkstümlich, was das Erzählte stilistisch unterstreicht. Die Ballade lässt sich inhaltlich in zwei Teile trennen: Die Vorerzählung und die Haupthandlung. In den ersten vier Strophen wird die Ausgangslage beschrieben, die nachfolgenden Strophen fünf bis zehn beschreiben die Reaktionen der Männer auf den Tod der jungen schönen Frau und bilden den zentralen Aspekt des Textes.

Ein festes Metrum hat der Text nicht, jedoch prägen die ausschließlich männlichen Kadenzen, die am Ende jeder Verszeile zu einer kurzen Pause führen, den Klang. Das Reimschema des Textes ist aa aa bb aa cc dd ee bb ff gd. Es besteht folglich aus neun Paarreimen sowie einer Strophe mit der Wiederholung des Reims „d“ und der Weise „g“, welche in dem strukturierten Reimschema einen Bruch verursachen. Alle Reime „a“ sind reich, die Reime „b“ je nach Kombination reich und rührend sowie der Reim „d“, der Reim „c“ ist unrein, schließlich sind die Reime „e“ und „f“ reich.

1. Strophe

In der ersten Strophe beginnt die Erzählinstanz, die Ausgangslage zu schildern. Drei Männer reisen entlang des Rheins und kehren in einem Wirtshaus ein. Über den Endreim hinaus wird die Strophe durch Binnenreime stilisiert: „drei“ - „Rhein“ - „bei“ - „ein“. Darüber hinaus prägen helle Vokale, wie „i“, „e“, „ie“, „ei“ die beiden ersten und darauffolgenden zwei Zeilen.

2. Strophe

In der zweiten Strophe wird die direkte Rede der drei Männer wiedergegeben, die sich an die Wirtin wenden und diese direkt ansprechen. Sie erkundigen sich, ob diese genug Bier und Wein hat und fragen außerdem nach der schönen Tochter der Frau. Es entsteht folglich der Eindruck, dass die Männer entweder bereits in der Gastwirtschaft waren und die Tochter schon gesehen haben oder bereits auf dem Weg dorthin etwas darüber vernommen haben.

Durch die gleichen Endreime und den durch helle Vokale geprägten Klang scheinen die ersten beiden Strophen eine Einheit zu bilden. Die beiden Zeilen der Strophe werden durch die wiederholte Ansprache der Wirtin mit „Sie“ verknüpft. Die Assonanz[1] am Ende der zweiten Zeile „schönes Töchterlein“ richtet das Augenmerk des Rezipienten auf das Hauptelement des Textes, die schöne verstorbene Wirtstochter.

3. Strophe

Die dritte Strophe präsentiert die Antwort der Wirtin auf die Fragen ihrer Gäste. Die beiden Verszeilen weisen einen parallelen Aufbau auf und beginnen mit der Anapher:[2] „Mein“, was die Zusammengehörigkeit der Zeilen verstärkt. Die erste Strophe weist den Parallelismus[3] „Bier und...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen