Ludwig Uhland

Studium und Poesie

Johann Ludwig Uhland wird am 26. April 1787 in Tübingen geboren. Er gehört zu einer altwürttembergischen Familie von bürgerlich-gelehrtem Stand, der sich in der Erziehung und dem Leben des Dichters widerspiegelt. Mit Auszeichnung durchläuft Uhland die Tübinger „anatolische Schule“ und wechselt bereits im Jahr 1801 an die Universität seiner Vaterstadt, um Rechtswissenschaften zu studieren. Er beschäftigt sich außerdem mit der Philologie und lateinischen Sprache. Bereits aus dieser Zeit stammen seine ersten dichterischen Versuche.

Als Student gehört er neben Justinus Kerner und Karl Mayer einem Kreis an, welcher sich mit Poesie beschäftigt und in dem Streit zwischen Klassizismus und Romantik der Letzteren den Vorzug einräumt. Bis 1810 wird bereits eine beträchtliche Anzahl von Uhlands Gedichten verfasst. Auch die Jurisprudenz studiert er mit Gewissenhaftigkeit, schließt 1808 sein Examen ab und erwirbt 1810 die Doktorwürde.

Im Mai 1810 bricht der Dichter nach Paris auf. Ein Dreivierteljahr beschäftigt er sich dort mit altfranzösischer und altdeutscher Philologie. Seine Studien finden 1812 in seiner ersten gelehrten Schrift „Über das altfranzösische Epos“ ihren Abschluss und werden in der Zeitschrift „Die Musen“ von Fouqué veröffentlicht.

Am 14. Februar 1811 kehrt Uhland nach Tübingen zurück und eröffnet eine Anwaltskanzlei. 1812 erhält er eine Stelle als zweiter Sekretär beim Justizministerium in Stuttgart, wohin er übersiedelt und wo er in den nächsten siebzehn Jahren wohnt.

Politik, Gedichte und Dramen

Die politische Situation, der Tod zweier Freunde im russischen Feldzug sowie die Unzufriedenheit mit seiner Arbeitsstelle lähmen nachfolgend seine Schreiblust. Im Mai 1814 kündigt Uhland nach der Ablehnung seiner Bitte um eine Festanstellung beim Justizministerium und arbeitet als Rechtsanwalt in Stuttgart. Auch dieser Beruf befriedigt ihn nicht. Uhland veröffentlicht Gedichte und Dramen. Er sucht lange nach einem Verleger für seine Werke. 1815 erscheinen endlich seine „Gedichte“ bei Cotta, die ab 1820 vielfach wieder aufgelegt werden. Die Ausgabe beinhaltet mehrere Gedichtgattungen, wie „Vaterländische“, „Altfranzösische“ oder Zeitgedichte.

Außerdem engagiert sich der Dichter in der Politik. Er ist ein erklärter Feind Napoleons. Sein Patriotismus leidet unter dem gemeinsamen Kampf der Württemberger mit Napoleon und erst als die Ersteren sich zu den Alliierten gesellen, findet seine einheitliche patriotische Empfindung ihren Niederschlag in seinen Gedichten. Bei den Verfassungskämpfen von 1815 wird Uhland der bedeutendste Wortführer der Partei der altwürttembergischen Verfassung, des „alten, guten Rechts“. Diese Partei kämpft als konservative Vertreterin des Alten für die Wiederherstellung des Rechtsbodens. Uhland, der noch nicht gewählt werden kann, steht der Partei durch seine Schriften und vaterländischen Gedichte hilfreich zur Seite. 1819 wird er schließlich als Abgeordneter Tübingens in den württembergischen Landtag gewählt.

In diesen Jahren beginnen auch die ersten Versuche des Dichters, welcher bereits zuvor eine Vielzahl an Dramen verfasst hat, am ernsten, historischen Drama. Beispiele dafür sind die vollendeten Stücke „Ernst, Herzog von Schwaben“ (1816) und „Ludwig der Baier“ (1818), viele Fragmente und Pläne bleiben jedoch auch unvollendet.

Ehe und Anerkennung als Professor

Am 29. Mai 1820 heiratet er Emilie Vischer. Ihre auf Freundschaft und Harmonie basierende glückliche Ehe bringt keine Kinder hervor. Die Heirat versetzt Uhland in eine gute finanzielle Lage, weil seine Frau aus einer reichen Kaufmannsfamilie stammt. Uhland kann seine Arbeit als Rechtsanwalt nur selten und zugunsten von Armen betreiben. Diese Lage ermöglicht es ihm außerdem, seine philologischen Studien wieder aufzunehmen, die er bis zum Ende seines Lebens fortsetzt. Er veröffentlicht mehrere Aufsätze, die bis heute noch geschätzt werden. Im Zusammenhang mit seiner Forschung unternahm Uhland viele Reisen nach Wien, Kopenhagen, Belgien.

Nach vielen gescheiterten Versuchen gelingt es ihm, am 29. Dezember 1829 in der gelehrten Welt Fuß zu fassen. Er wird an diesem Tag zum außerordentlichen Professor der deutschen Sprache und Literatur an der philosophischen Fakultät in Tübingen ernannt, wohin er mit seiner Frau im April 1830 übersiedelt. Im Jahr 1831 versterben beide Eltern des Dichters. Das sind Ereignisse, auf die der Dichter mit dem Gedichtzyklus „Nachruf“ eingeht. 1836 verstirbt auch seine Schwester.

Politische Tätigkeit und Zurückgezogenheit

Uhland wechselt 1832 mit seiner erneuten Wahl in den Landtag wieder in die aktive Politik.

Während seiner erneuten politischen Tätigkeit verlässt er den Staatsdienst, da er nicht den für Beamten notwendigen Urlaub bekommen hat. Die Resignation und Bitterkeit der politischen Erfahrungen dieser Zeit drückt er in einigen Gedichten von 1834 aus. 1838 verzichtet er schließlich nach vielen Enttäuschungen auf seine Wiederwahl und arbeitet dann als Privatlehrer in Tübingen und beschäftigt sich mit der Literaturwissenschaft.

Erst 1848 reißen die revolutionären Bewegungen Uhland aus seiner Zurückgezogenheit heraus und lassen ihn in die Politik zurückkehren. Er wird zum Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung gewählt und zieht nach Frankfurt. Er vertritt eine demokratische und entschieden patriotische Haltung und tritt für das Wahlkaisertum ein. Schließlich folgt er der Nationalversammlung nach Stuttgart und wohnt dieser bis zu ihrer Auflösung durch das württembergische Militär am 18. Juni 1849 bei. Seine politische Karriere endet im Jahr 1850.

Uhland zieht sich dann nach Tübingen zurück und nimmt seine Privatstudien wieder auf. Er beschäftigt sich mit mittelalterlicher Dichtung. Kurz nach einer Winterreise nach Weinsberg zur Beerdigung von Justinus Kerner am 23. Februar 1862 erkrankt der Dichter und wird nie wieder ganz hergestellt. Am 13. November 1862 verstirbt er in Tübingen im Alter von 75 Jahren.