Vergangenheit und Gegenwart

Die Verstrickung von Vergangenheit und Gegenwart

Im Roman „Löcher“ ist die Vergangenheit überaus eng mit der Gegenwart verknüpft. Das zeigt sich auch darin, dass regelmäßig Rückblenden in den Text eingebaut werden. Die gegenwärtige Generation kann sich dem Einfluss ihrer Vorfahren nicht entziehen. Was einst in der Vergangenheit relevant war, ist auch in der Gegenwart nicht ohne Bedeutung.

Die Schicksale von drei Familien sind in der Erzählung eng miteinander verknüpft: Stanley leidet unter dem Fluch, den sein Ururgroßvater Elya Yelnats über die Familie gebracht hat. Es liegt an ihm, sich von ihm zu befreien. Zero stammt von einer Familie aus Lettland ab und ist ohne sein Wissen der Urururenkel von Madame Zeroni, die vor mehr als hundert Jahren die Familie Yelnats wegen eines gebrochenen Versprechens verflucht hat. Die Camp-Chefin Linda Walker ist die Enkelin von Charles Walker, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, den Schatz der Banditin Kissin‘ Kate Barlow zu finden, auf den eigentlich die Familie Yelnats einen rechtlichen Anspruch hat.

Stanley als Nachfahre von Elya Yelnats

Seitdem Stanleys Ururgroßvater Elya Yelnats einen Fluch auf seine Familie geladen hat (siehe dazu Abschnitt „Der Fluch der Familie Yelnats“), wird Stanley ständig vom Pech verfolgt. Er glaubt zwar selbst nicht an solche Flüche (S.12), muss aber einsehen, dass er immer „im falschen Moment am falschen Ort zu sein“ (S.12) scheint. Die Tatsache, dass er unschuldig verhaftet wird, unterstreicht diesen Eindruck, besonders deshalb, weil die Umstände seiner Verhaftung mehr als kurios sind. Ihm sind unter einer Unterführung die geklauten Turnschuhe des berühmten Baseballspielers Clyde Livingston im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf gefallen (S.32). Wenig später wird er von der Polizei verhaftet.

Auch im Camp Green Lake setzt sich diese Pechsträhne fort. Stanley tut eigentlich alles, um sich so bedeckt wie möglich zu halten, aber es ist vergebens: Genau wie sein Ururgroßvater hat er das Talent, sich überall in Schwierigkeiten zu bringen. Als einer der anderen Jungen dem Betreuer Mr. Sir Sonnenblumenkerne aus dessen Auto klaut, wird Stanley beispielsweise wegen dieses Diebstahls verdächtigt: „Stanley sah auf zu der sich nähernden Staubwolke, dann wieder nach unten auf die verstreuten Kerne. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Sonst noch was?“ (S.110)

Es ist nicht ganz klar, was der Fluch für eine Wirkungskraft hat, aber sobald Stanley ihn unwissentlich bannt, wendet sich das Schicksal zu seinen Gunsten:  Erst als er Zero, den Nachfahren von Madame Zeroni, einen Berg hochträgt und ihm dabei ein in seiner Familie tradiertes Lied vorsingt, hat er, ohne es zu wissen, die Schatten seiner Familienvergangenheit gebannt. Ab diesem Zeitpunkt lacht das Glück ihm wieder zu.

Stanley als Nachfahre von Stanley Yelnats I.

Stanleys Ururgroßvater Elya Yelnats nimmt als Unheilbringer in der Familiengeschichte zwar den prominentesten Platz ein, der „Tunichtgut und elende Schweinedieb“ (S.12) wird immerhin für das Pech der Familie Yelnats verantwortlich gemacht, aber er ist nicht der einzige Nachfahre, der Stanleys Gegenwart direkt beeinflusst. Der andere ist Stanley I., Elya Yelnats Sohn, der einzige Yelnats, der je auf eine kurze Glückssträhne getroffen ist: Er hat an der amerikanischen Börse ein kleines Vermögen erwirtschaftet (S.14), das ihm dann von der berüchtigten Banditin Kissin‘ Kate Barlow geraubt (S.15) wurde.

Stanleys Urgroßvater wurde nach dem Überfall von Kissin‘ Kate Barlow in der Wüste zurückgelassen, in der sich später das Camp Green Lake befinden wird. Er hat dort siebzehn Tage lang überlebt und in seiner Familie davon berichtet, „auf Gottes Daumen Zuflucht gefunden [zu haben]“ (S.162). Was genau er damit meinte, wusste er später selbst nicht mehr. Aber Stanley kann sich später genau an seine Worte erinnern.

Eines Tages, als Stanley am Rande des Camps eine Bergkette erblickt, fällt ihm eine Felsenformation auf, die so aussah, „wie eine riesige Faust, aus der der Daumen senkrecht in die Höhe ragte“ (S.162). Das Wissen um „Gottes Daumen“ sichert deshalb Stanleys Überleben, als er mit Zero durch die Wüste flieht, weil der Berg der einzige Ort ist, von dem er sich Hoffnung verspricht. Tatsächlich finden Zero und Stanley im Schatten von Gottes Daumen Wasser ...

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