Weimarer Klassik

Die Deutsche Klassik oder Weimarer Klassik beginnt formal mit Goethes Reise nach Italien (1786) und dauert bis zu Schillers Tod im Jahr 1805. Der Begriff „Klassik“ steht vor allem für die Orientierung der Schriftsteller an den klassischen – griechisch-römisch antiken – Vorbildern. Antike Dichter werden zum Vorbild der Kunstschaffenden und ihr Schaffen gilt als Idealbild der Zeit. Historische Persönlichkeiten, wie „Wilhelm Tell“ oder „Maria Stuart“, werden auch in den Werken verewigt. Dieser Rückgriff auf historische Formen wird Historismus genannt.

Die Weimarer Klassik charakterisiert die gemeinsame und fruchtbare Schaffensperiode der befreundeten Dichter Goethe und Schiller von 1794 bis 1805 mit Weimar als Zentrum. Die beiden Autoren inspirieren und motivieren einander durch intensive Zusammenarbeit und gegenseitige Kritik. Sie ersetzen die starke Betonung der Gefühle und der Emotionalität der Stürmer und Dränger durch die Suche nach Vollkommenheit und Harmonie.

Die Französische Revolution und ihre Leitgedanken (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) prägen besonders die Vertreter der Weimarer Klassik. Sie möchten politische Veränderungen in Deutschland bewirken, aber nicht mithilfe von Waffengewalt. Durch die Kunst und Literatur sollen die Menschen moralisch erneuert werden und somit schrittweise zur politischen Freiheit und Verantwortung heranreifen. Die Weimarer Klassik orientiert sich an den humanistischen Idealen und möchte die Menschen zum Wahren, Guten und Schönen erziehen. In Anlehnung an das antike Kunstideal wird nach Menschlichkeit sowie der Übereinstimmung von Inhalt und Form gestrebt.

Die wichtigste Gattung der Weimarer Klassik ist das Drama, die Lyrik und Epik bleiben eher nebensächlich. Die Dramen werden vor allem im Blankvers, einem fünfhebigen Jambus ohne Endreim, verfasst, der als schön und ästhetisch empfunden wurde. Die Dramenkonzeption nähert sich oder kehrt zu dem klassischen fünfteiligen Pyramidenaufbau zurück.

Die Blüte der Weimar Klassik wird durch die kräftig erhöhte Buchproduktion intensiviert.[1] Gleichzeitig entwickelt sich in Deutschland in dieser Periode ein stärkeres Nationalbewusstsein in der Bevölkerung.

Die Hauptvertreter der Weimarer Klassik sind Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Herder.

Bezeichnung

Weimarer Klassik 1786-1805

Wichtige Werke

Iphigenie auf Tauris (1787)

Maria Stuart (1800)

Die Jungfrau von Orleans (1801)

Wilhelm Tell (1804)

Faust I (1790)

Faust 2 (1832 - Zwischen Klassik und Romantik)

Die Marquise von O... (1808 - Zwischen Klassik und Romantik)

Der zerbrochene Krug (1808 - Zwischen Klassik und Romantik)

Michael Kohlhaas (1808 -Zwischen Klassik und Romantik)

Orientierung an der Antike
Zentrum Weimar

Merkmale

  • Freundschaft zwischen Goethe und Schiller im Zentrum
  • Humanität, Harmonie, Toleranz, Menschlichkeit, Gewaltlosigkeit
  • Der Mensch kann erzogen werden
  • Klassische Dramenkonzeption

[1] Schillers „Wilhelm Tell“ findet z. B. in wenigen Wochen 7000 Käufer (Journalismus als soziales System, Bernd Blöbaum, S.104)