Vormärz und Junges Deutschland

Der Literaturepoche des Vormärz umfasst die Literatur der Zeit zwischen 1815 und 1848. Die Periode beginnt mit dem Sieg der Alliierten über Napoleon und der Gründung des Deutschen Bundes (1815) und endet mit der gescheiterten Märzrevolution (1848/49). Der Begriff „Vormärz“ wird, wie andere Bezeichnungen der Literaturgeschichte, erst nachträglich geprägt. Er bezeichnet die aufrührerische Literatur, die sich gegen den Feudalismus und das Kleinstaatentum auflehnt und für die Bürgerrechte und den deutschen Nationalstaat kämpft. Es ist damit die literarische Bewegung, die der Märzrevolution im Jahr 1848 vorausgeht und sie vorbereitet („Vor-März“).

Bei den Vertretern dieser Richtung handelt es sich vor allem um junge Akademiker. Sie kritisieren die Ständegesellschaft, die den Bürgern und Bauern keine politische Mitbestimmung einräumt, und fordern die Einigung Deutschlands. Damit bedrohen sie die Macht der herrschenden Fürstenhäuser. Die deutschen Fürsten gehen daher mit Zensur und Polizeispitzeln energisch gegen die revolutionären Schriften und ihre Autoren vor.

In den Karlsbader Beschlüssen von 1819 verbietet der Deutsche Bundestag die studentischen Burschenschaften, erteilt liberalen Professoren Berufsverbot, ordnet die Überwachung der Universitäten an und beschließt die Vorzensur aller Veröffentlichungen unter 320 Seiten und die Nachzensur aller längeren Schriften. In der Folge bemühen sich die Autoren des Vormärz, von denen viele als Journalisten tätig sind, die Zensur zu umgehen. Typische Textformen sind daher Briefe, Flugschriften, Pamphlete, Reiseberichte oder Gedichte. Vielen Schriftsteller wird ein Publikationsverbot erteilt und sie erhalten Kerkerstrafen. Mehrere Autoren, wie Büchner und Heine, flüchten nach Frankreich und leben dort im Exil.

Während die Herrschenden am Status quo festhalten oder ihn zuweilen nur zögernd reformieren, wachsen in Deutschland die sozialen und wirtschaftlichen Probleme. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege kommt es in Deutschland zu einer Bevölkerungsexplosion, doch steht der Steigerung der Anzahl der Arbeitskräfte kein Anstieg der Zahl der Arbeitsplätze gegenüber. Große Teile der ländlichen Bevölkerung leben am Rande des Existenzminimums und ziehen nun in die Städte, um dort ein mageres Auskommen zu finden. Dieses Phänomen der Massenarmut erhält den Namen „Pauperismus“.

Gleichzeitig blockiert die territoriale Zersplitterung des deutschsprachigen Raums in viele eigenständige Fürstentümer den Aufschwung des Handels, da jeder Staat seine eigene Währung und seine eigenen Maßeinheiten besitzt.

Im Gefolge der französischen Julirevolution von 1830[1], in deren Verlauf das Bürgertum Frankreichs den reaktionären Bourbonenkönig stürzt und den liberalen „Bürgerkönig“ Louis Philippe I einsetzt, wächst in Deutschland die Unzufriedenheit mit der ständischen Ungleichheit, der politischen Unterdrückung und wirtschaftlichen Rückständigkeit. Ab Mitte der 1830er Jahre beginnt jedoch auch in Deutschland langsam die Industrialisierung, getragen von einem selbstbewussten, unternehmerischen Bürgertum – ohne politischen Einfluss. Diese Spannungen entladen sich schließlich in der Revolution von 1848, die jedoch scheitert. 

Die jungen Autoren des Vormärz fordern einen Umbruch. Unter Einsatz ihrer Freiheit und ihrer Zukunft verfassen sie oppositionelle politische Literatur, kritisieren die sozialen Missstände, fordern u. a. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, allgemeines Wahlrecht, freie Berufswahl und Abschaffung der Feudalrechte.

Damit steht die Literatur des Vormärz im Gegensatz zur Literatur des Biedermeier, die sich zur gleichen Zeit entfaltet. Die Autoren des Biedermeier wenden sich resigniert von der gefährlichen Politik ab und ziehen sich ins Private – ins traute Heim - zurück.

Bedeutende Vertreter des Vormärz sind Georg Büchner, Heinrich Heine und Karl Guzkow. 

Junges Deutschland (1830-1835)

Im Gegensatz zu dem Begriff „Vormärz“, der erst nach der Revolution von 1848 geprägt wurde, wird der Begriff „Junges Deutschland“ von den Vertretern der Bewegung selbst verwendet und 1835 vom Deutschen Bundestag aufgegriffen, um diese Gruppe liberal gesinnter Autoren zusammenzufassen – und ihre Schriften zu verbieten.

 „Das Junge Deutschland[2]“ entsteht etwa 1830 als oppositionelle Gegenbewegung zu der reaktionären Politik der Restauration vonseiten Metternichs und der Fürsten des Deutschen Bundes. Damit ist die Bewegung ein Teil der Literaturepoche Vormärz. Sie wird durch die Julirevolution in Frankreich 1830 motiviert, die sich auf ganz Europa auswirkt. Doch die Unruhen in Deutschland haben keine durchschlagende Wirkung und ändern nichts an der Gesamtsituation.

Die neue Autorengruppe besteht aus jungen Schriftstellern, die zwar ein geeintes Deutschland und Bürgerrechte anstreben, aber auch in anderen Bereichen, wie Moral und Ästhetik, einen Umbruch fordern. Sie verwerfen den ihrer Meinung nach lebensfernen und unpolitischen Idealismus der Klassik und treten für eine an der Lebenswirklichkeit orientierte Literatur ein, die die sozialen Missstände thematisiert. 

Schriftsteller, wie Heinrich Heine[3] und Georg Büchner[4], sympathisieren zwar mit den Zielen der Gruppe, distanzierten sich aber in künstlerischer bzw. politischer Hinsicht von ihnen.

Der Beschluss des Frankfurter Bundestags 1835, sämtliche Schriften der Autoren des Jungen Deutschland zu verbieten, führt zu Hausarrest, Gefängnisstrafen und dem Exil der betroffenen Schriftsteller – und damit zum Ende der Bewegung.

Die wichtigsten Vertreter des Jungen Deutschland sind Karl Gutzkow, Gustav Kühne, Heinrich Laube, Theodor Mundt und Ludolf Wienbarg.

Bezeichnung

Vormärz 1815 - 1848

Wichtige Werke

Woyzeck (1836)

Dantons Tod (1835)

Lenz (1836)

Leonce und Lena (1836)

Merkmale

  • Junge Autoren
  • Kritik an Fürstenherrschaft, Ständegesellschaft und Kleinstaaterei
  • Liberalismus und Nationalismus
  • Flugschriften, Pamphlete, Reiseberichte oder Gedichte
  • Zensur, Verfolgung, Exil

 


[1] z.B.: Hambacher Fest 1832

[2] Der Begriff wurde erstmals von dem Schriftsteller Ludolf Wienbarg im Jahre 1834 verwendet.

[3] Obwohl Heine sich selbst nicht zu dem inneren Kreis des Jungen Deutschland zählt, werden auch seine Schriften sowie die Gutzkows, Laubes, Wienbergs und Mundts 1835 verboten.

[4] „Übrigens gehöre ich für meine Person keineswegs zu dem sogenannten Jungen Deutschland, der literarischen Partei Gutzkows und Heines. Nur ein völliges Mißkennen unserer gesellschaftlichen Verhältnisse konnte die Leute glauben machen, daß durch die Tagesliteratur eine völlige Umgestaltung unserer religiösen und gesellschaftlichen Ideen möglich sei“ (Brief an die Familie /1.1..1836)