Trümmerliteratur

Die Literaturperiode gleich nach dem Zweiten Weltkrieg wird als „Trümmerliteratur“ bezeichnet. Zur Namensgebung dieser Epoche tragen nicht nur die zerstörten Städte bei, sondern vor allem auch die zerstörten Ideale und Vorstellungen der Menschen, die inmitten der Ruinen um ihr Überleben kämpfen.

Viele Schriftsteller kehren nach innerer oder äußerer Emigration während der NS-Herrschaft in die Öffentlichkeit zurück. Die Autoren der Trümmerliteratur wollen die Welt, die sich ihnen zu dieser Zeit präsentiert, möglichst realitätsnah abbilden. Es geht nicht darum, das Dargestellte poetisch zu verschleiern, sondern ein lebensnahes Bild zu entwerfen. In gewollt kargen und direkten Beobachtungen werden das Geschehene und das Existierende durch eine lakonische Sprache genau beschrieben. Die Autoren setzen sich für eine „Reinigung der Sprache“ („Kahlschlag“) von der nationalsozialistischen Ideologie ein.

Im Vordergrund stehen vor allem für viele Autoren zum einen die Frage nach der Schuld am Krieg und am Holocaust sowie zum anderen die Situation der Heimkehrer. Die Mehrzahl der Autoren beschäftigt sich mit der unvorstellbaren Grausamkeit und den Zerstörungen, die im Namen des deutschen Volkes aus rassistischen oder nationalen Gründen verübt worden sind. Sie schreiben Romane, Kurzgeschichten, Dramen und Gedichte, die einem breiten Publikum bekannt werden. Meist sind die Werke durch eine moralische Anklage gegen den Krieg im Allgemeinen und gegen jede Form von Unmenschlichkeit im Speziellen gekennzeichnet.

Die literarischen Werke, die in dieser Zeit verfasst werden, bieten allerdings kein einheitliches Bild, sondern weisen in sich eine tiefe Spaltung auf: Während ein Teil der Autoren die Diktatur des Nationalsozialismus in ihren Werken aufarbeiten will, neigen andere Schriftsteller dazu, die Schrecken dieser Zeit und die eigene Verantwortung möglichst zu verdrängen. Zudem besteht ein Konflikt zwischen jenen Autoren, die in Deutschland geblieben und in die „Innere Emigration“ gegangen sind, und jenen Schriftstellern, die Deutschland verlassen haben, um ihr Leben im Exil weiterzuführen.

Berühmte Autoren der Trümmerliteratur sind unter anderem Heinrich Böll, Wolfgang Borchert, Wolfgang Weyrauch, Max Frisch, Hans Werner Richter und Günther Eich. Viele von ihnen sind Mitgründer der 1947 entstandenen „Gruppe 47“.

Gruppe 47

Die Gruppe 47 als vielleicht prominentester Vorläufer der heutigen Literaturwerkstätten trifft sich zum ersten Mal im namensgebenden Jahr 1947. Mit ihrer Arbeit wollen die Mitglieder der Gruppe der Literatur auch sprachlich eine neue Richtung geben. Ihr Ziel ist es, Werte, wie Kritik und Toleranz, wiederzubeleben sowie neue Themen und Werte zu entwickeln. Die Gruppe umfasst neben den Schriftstellern auch Lektoren und Literaturkritiker, wie den oben erwähnten Marcel Reich-Ranicki. So bilden die Zusammentreffen auch eine Chance für die Autoren, Kontakte zu Verlegern zu knüpfen und ihre Werke zu veröffentlichen. Der Suhrkamp-Verlag kann in dieser Zeit mit 30 Schriftstellern Verträge abschließen. Im Jahr 1968 findet die letzte Tagung der Gruppe statt, die sich anschließend auflöst und gleichzeitig das Ende der Epoche „Nachkriegsliteratur“ ankündigt.

Bezeichnung

Trümmerliteratur 1945-1950

Wichtige Werke

Draußen vor der Tür (1947)

Andorra (1946-1963)

Biedermann und die Brandstifter (1948-1958)

Merkmale

  • Heimgekehrte Autoren
  • Realistische und ungeschönte Abbildung der Wirklichkeit
  • Karge, lakonische Sprache
  • Themen: Krieg, Heimkehr, Nationalsozialismus, Judenverfolgung
  • Uneinheitlichkeit: Verarbeitung und Verdrängung