Surrealismus

Der Begriff Surrealismus wird erstmals 1917 in einem Programmheft des französischen Dichters Guillaume Apollinaire verwendet. Er setzt sich aus den französischen Wörtern „sur“ (über) und „réalisme“ (Wirklichkeit) zusammen und bedeutet wörtlich übersetzt: über der Wirklichkeit.

Bei dem Surrealismus handelt es sich um eine avantgardistische Literatur- und Kunstströmung. Der direkte Vorläufer des Surrealismus ist der 1916 in Zürich gegründete Dadaismus. Die literarische Bewegung des Surrealismus entwickelt sich in den frühen 1920er Jahren in der französischen Hauptstadt. Ihre theoretische Grundlage wird 1924 in dem „Surrealistischen Manifest“ des Dichters André Breton definiert.

Die grausamen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs haben viele Intellektuelle in tiefe Zweifel gestürzt. Die Surrealisten äußern ihre Kritik gegenüber der zeitgenössischen Gesellschaft und deren bürgerlichen, patriarchalischen und rationellen Werten. Sie verstehen sich als Verfechter einer revolutionären Weltanschauung.

Die Surrealisten erhalten Anregungen durch die Deutsche Romantik und besonders von Novalis, der auch traumhafte und wunderbare Elemente in seine Werke integriert. Sie stellen in ihren Kunstwerken Träume, Visionen, Unwirkliches und Fantastisches dar. Sie richten ihr Interesse auf das Unterbewusste und lassen sich von spontanen Gefühlen und Stimmungen leiten. 

Die Surrealisten sind in starkem Maße durch Sigmund Freuds Psychoanalyse beeinflusst. Sie betonen die Bedeutung von Gefühlswelt und Fantasien, von Wahnvorstellungen und verdrängten Gefühlen. Träume oder Rauscherlebnisse dienen ihnen oftmals als Vorlagen. Ihre beliebten Themen sind der Traum, die Halluzinationen, die Sexualität und die psychischen Krankheiten.

Der Surrealismus lässt das Fantastische mit dem Realen verschmelzen. Die Dichter benutzen bestimmte Arbeitsstrategien, wie „Écriture automatique“. Diese Methode des Schreibens wird auf der Basis von Intuition und Inspiration genutzt. Das Spiel der Gedanken darf nicht durch die Vernunft kontrolliert werden. Freie Assoziationen erschaffen eine neue Form der Poesie.

Surreale Texte wirken oft auf den Leser verschlüsselt, verzerrt oder rätselhaft. Die surrealistischen Dichter verzichteten häufig auf Logik und Syntax und benutzen experimentelle und verfremdete Elemente in ihren Werken: Collage, Montage, Fragment-Technik, Zitate aus Zeitungen oder der Werbung sollen die Grenze zwischen Literatur und Wirklichkeit auflösen.

Hans Arp, Paul Klee und Max Ernst gehören zu den bekanntesten deutschen Vertretern des Surrealismus. Die Kunstbewegung zählt berühmte Künstler zu den ihren, wie Salvador Dalí, René Magritte, Chagall und Miró. Sie verbreitet sich weltweit, verliert aber nach 1945 langsam an Bedeutung.

Bezeichnung

Surrealismus

1924 – 1945

(Deutschland 1933)

Wichtige Werke

Nadja (André Breton)

Werke von Mark Ernst

Merkmale

  • Kritik an der rationellen bürgerlichen Gesellschaft 
  • Weltweite Literatur- und Kunstbewegung
  • Irrationalität, Unterbewusstes
  • Träume, Visionen, Unwirkliches und Fantastisches