Realismus

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist durch Industrialisierung, Verstädterung und soziale Ungleichheit gekennzeichnet. Daraus resultieren einerseits die wirtschaftliche Erstarkung des Bürgertums, andererseits aber auch die Entstehung des städtischen Proletariats.  

Aufgrund des endgültigen Scheiterns der Revolution im Jahr 1849 machen sich im Kleinbürgertum Resignation und Enttäuschung breit. Diese Stimmung spiegelt sich auch in den Literaturformen des Realismus wider, die sich einerseits der Wirklichkeit zuwendet, andererseits aber auch den konkreten sozialen und politischen Fragen ausweicht. Die literarische Epoche des Bürgerlichen oder Poetischen Realismus umfasst ungefähr die Zeitspanne zwischen 1848 und 1890. 

Die Vertreter des Realismus wollen die gesellschaftliche Wirklichkeit möglichst objektiv erfassen und präzise und detailgetreu schildern. Ihre Werke beschäftigen sich mit dem bürgerlichen Menschen und seinen Lebensverhältnissen. Sie beschreiben den Lebensalltag, die Gegenwart oder das moderne Leben. Die Autoren bevorzugen Prosa-Gattungen, wie Roman und Novelle, verfassen aber auch lyrische Werke, wie Balladen.  Ihr Stil ist meistens nüchtern und sachlich, also ohne starke Gefühlsausbrüche und Pathos. 

Im Vordergrund des Bürgerlichen Realismus wird sich auf das Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft und auf die Darstellung der daraus resultierenden Probleme fokussiert, während der Poetische Realismus vielmehr der Stoff dichterisch zu gestalten und umformen sucht. 

Der „Poetische Realismus“ ist eine deutsche Variante der gesamteuropäischen Literaturepoche. Die deutschen Realisten lehnen die Schilderung einer – ihrer Meinung nach - ‚rohen‘ Wirklichkeit ab und fordern, dass der Schriftsteller sein Material „verklären“ müsse, wenn es zu Literatur und damit zu Kunst werden soll. 

Wichtige Tendenzen des Realismus sind der Regionalismus, wobei die Werke sich zur Heimat hinwenden und die Welt der Kleinbürger darstellen, aber auch der Historismus, in dessen Rahmen die Autoren historische Stoffe bevorzugen.  

Bedeutende deutsche Vertreter des Realismus sind u. A. Gustav Freytag, Gottfried Keller, Theodor Storm, Conrad Ferdinand Meyer, Marie von Ebner-Eschenbach und Wilhelm Raabe. Theodor Fontane ist der bedeutendste Autor dieser Epoche.

Die Autoren des Realismus beschreiben gerne das Individuum, das den gesellschaftlichen Zwängen und deren Einfluss ausgesetzt ist, meiden jedoch die Beschreibung der großen zeitgenössischen sozialen Probleme. Ab 1880 entwickelt sich eine neue literarische Richtung, welche die Not, das Elend und die Hässlichkeit nun in aller Schärfe darstellen will und den Menschen als ein durch seine Umgebung bestimmtes Wesen begreift: Der Naturalismus

Bezeichnung

Realismus (1848- 1890)

Wichtige Werke

Maria Magdalena (1844)

Romeo und Julia auf dem Dorfe (1855)

Irrungen, Wirrungen (1886)

Der Schimmelreiter (1888)

Frau Jenny Treibel (1892)

Effi Briest (1894/95)

 

Merkmale

  • Detail- und naturgetreue und möglichst objektive Darstellung der Realität

  • Beschreibung des bürgerlichen Alltags, des Verhältnisses des Individuums zur Gesellschaft

  • Keine Darstellung des Elends und des Hässlichen

  • Keine politische Lösung, sondern nur Verklärung