Postmoderne

Die Postmoderne in der Literatur bezeichnet eine Strömung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die die Epoche der Moderne ablöst. Der Begriff "Postmoderne" ist in Bezug auf seine zeitliche Ansetzung und seine Inhalte umstritten, denn eine tatsächliche postmoderne Theorie existiert nicht. Die Autoren sind nicht miteinander durch Gruppierung oder Programm verbunden.

Nach der Nazizeit, dem Zweiten Weltkrieg und später nach dem Mauerfall haben die postmodernen Schriftsteller das Gefühl, dass die Menschen einen Sinnverlust erleiden.

Die postmodernen Autoren verarbeiten die Erfahrung, dass der Mensch keinen Platz mehr in der modernen Welt findet, sondern, nach Rollen und Lebensmodellen suchend, durch die Welt irrlichtert. Die Welt ist zu vielschichtig und zu schwer zu durchschauen, weswegen es dem Menschen nicht mehr möglich ist, die Realität zu erfassen und sich auf die eine Wahrheit festzulegen.

Die thematischen Schwerpunkte verschieben sich, und zwar weg von den großen Erzählungen hin zu kleinen Erzählungen auf individueller Ebene mit bestimmter Wertevorstellung. Bei den Figuren im postmodernen Roman bleibt von der sympathischen Heldenfigur des Protagonisten früherer Literaturepochen nicht mehr übrig. Der Protagonist bietet nur noch ein geringes Identifikationspotenzial und es handelt sich bei ihm oft um einen gesellschaftlichen Außenseiter. Die Möglichkeit der positiven Entwicklung des Charakters wird im postmodernen Erzählen geleugnet. Die Hauptfigur bleibt in ihrem Verhalten statisch und manchmal degeneriert der Protagonist.

Die Erzählerfigur im postmodernen Roman steuert und strukturiert den Roman in bewusster Weise. Das Erzählen in der Postmoderne ist nicht ausschließlich linear, sondern oft fragmentarisch angelegt. Eine Ähnlichkeit zu filmischen Techniken und Montagetechniken lässt sich immer wieder feststellen. Zeitraffungen und Zeitdehnungen, Zeitsprünge und das Abbilden verschiedener Perspektiven sind dafür charakteristisch.

Eine effektvolle sprachliche Gestaltung und eine ironische und ungebundene Sprache vermitteln häufig in der postmodernen Literatur die spannende Handlung. Die Autoren spielen mit rhetorischen Mitteln und sprachlichen Formulierungen. Die Sprache ist oft mit Ästhetik, Rhythmik und Schönheit in den Formulierungen verbunden. Hinweise auf reale historische Ereignisse und literarische Anspielungen (Intertextualität) sind in den individuellen und durchorganisierten postmodernen Texten zu finden.

Bedeutende Vertreter der Postmoderne sind unter anderen Patrick Süskind, Umberto Eco, Bernhard Schlink, Friedrich Dürrenmatt, Peter Stamm, Robert Scheider, Max Frisch und Christian Kracht.

Wichtige Werke

Homo faber (1957 - Zwischen Moderne und Postmoderne)

Die Physiker (1962)

Das Parfum (1985)

Schlafes Bruder (1992)

Faserland (1995)

Agnes (1998)

Die Vermessung der Welt (2005)

Merkmale

  • Sinnlosigkeit, Pessimismus
  • Betonung der subjektiven Wahrnehmung
  • Suche nach der eigenen Identität
  • Steuernder Erzähler
  • Effektvolle sprachliche Gestaltung
  • Parodistischer Umgang mit Vorbildern und Mustern
  • Hybridcharakter (Stilmischungen)
  • Irrealismus
  • Mehrfachcodierung (Vielfalt der Möglichkeiten, einen Text zu lesen)
  • Intertextualität/Anspielungen und Zitate
  • Unzuverlässiges Erzählen