Postmoderne

Postmoderne bedeutet „nach der Moderne“. Der Begriff der Postmoderne entsteht bereits Ende des 19. Jahrhunderts im Kontext der englischen Malerei. Unter diesem Begriff versammeln sich Werke aus Architektur, Kunst, Literatur und Film, ebenso wie philosophische, und soziologische Werke.

Die literarische Postmoderne ist eine Strömung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, welche die Epoche der Moderne ablöst. Als Nachfolger der Moderne behält sie die Hauptideen der Moderne, unter anderen Innovation, Pessimismus und eine tiefe Skepsis gegenüber Religion, Politik und Wissenschaft.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs wird oft als Beginn dieser Periode angegeben. Der Begriff „Postmoderne“ ist in Bezug auf seine zeitliche Ansetzung und seine Inhalte umstritten, denn eine tatsächliche postmoderne Theorie existiert nicht. Die Autoren sind nicht durch Gruppierung oder Programme miteinander verbunden oder organisiert.

Die Postmoderne kann unter anderem als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg, die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, den Holocaust, den nachfolgenden Kalten Krieges, den Koreakrieg und die Gefährdung der Welt durch Atomwaffen verstanden werden. Nach der NS-Diktatur und später nach dem Berliner Mauerfall haben die postmodernen Schriftsteller das Gefühl, dass die Menschen einen Sinnverlust erleiden.

Die postmodernen Autoren verarbeiten die Erfahrung, dass der Mensch keinen Platz mehr in der modernen Welt hat, sondern, nach Rollen und Lebensmodellen suchend, durch die Welt irrlichtert. Die Welt ist zu vielschichtig und zu schwer zu durchschauen, weswegen es dem Menschen nicht mehr möglich ist, die Realität zu erfassen und sich auf die eine Wahrheit festzulegen. Die thematischen Schwerpunkte verschieben sich, und zwar weg von den großen Erzählungen hin zu kleinen Erzählungen auf individueller Ebene mit einer bestimmten Wertevorstellung.

Der Roman ist die bevorzugte Gattung der Postmoderne. Von der sympathischen Heldenfigur früherer Literaturepochen bleibt in den Erzählungen nicht viel übrig. Der Protagonist bietet nur noch geringes Identifikationspotenzial. Es handelt sich bei ihm oft um einen gesellschaftlichen Außenseiter. Die Möglichkeit der positiven Entwicklung des Charakters wird im postmodernen Erzählen geleugnet. Die Hauptfigur bleibt in ihrem Verhalten statisch und manchmal degeneriert der Protagonist.

Die Erzählerfigur im postmodernen Roman steuert und strukturiert häufig den Roman in bewusster Weise. Das Erzählen in der Postmoderne ist nicht ausschließlich linear, sondern oft fragmentarisch angelegt. Eine Ähnlichkeit zu filmischen Techniken und Montagetechniken lässt sich immer wieder feststellen. Zeitraffungen und Zeitdehnungen, Zeitsprünge und das Abbilden verschiedener Perspektiven sind dafür charakteristisch.

Eine effektvolle sprachliche Gestaltung und eine ironische und ungebundene Sprache vermitteln in der postmodernen Literatur häufig die spannende Handlung. Die Autoren spielen mit rhetorischen Mitteln und sprachlichen Formulierungen. Die Sprache ist oft mit Ästhetik, Rhythmik und Schönheit in den Formulierungen verbunden. Hinweise auf reale historische Ereignisse sowie literarische Anspielungen (Intertextualität) sind in den individuellen und durchorganisierten postmodernen Texten zu finden.

Bedeutende Vertreter der Postmoderne sind unter anderen Patrick Süskind, Umberto Eco, Bernhard Schlink, Friedrich Dürrenmatt, Peter Stamm, Robert Scheider, Max Frisch und Christian Kracht.

Merkmale

  • Sinnlosigkeit, Pessimismus
  • Betonung der subjektiven Wahrnehmung
  • Suche nach der eigenen Identität
  • Außenseiter als Hauptfigur
  • Steuernder Erzähler
  • Unzuverlässiges Erzählen 
  • Irrealismus
  • Effektvolle sprachliche Gestaltung
  • Ironie, schwarzer Humor
  • Parodistischer Umgang mit Vorbildern und Mustern
  • Hybridcharakter (Stilmischungen)
  • Intertextualität/Anspielungen und Zitate
  • Mehrfachcodierung (Vielfalt der Möglichkeiten, einen Text zu lesen)
  • Komplexe Handlungen
  • Roman als bevorzugte Gattung

Wichtige Werke

Der Richter und sein Henker (1950)

Der Besuch der alten Dame (1956)

Homo faber (1957 - zwischen Moderne und Postmoderne)

Die Physiker (1962)

Das Parfum (1985)

Schlafes Bruder (1992)

Faserland (1995)

Agnes (1998)

Die Vermessung der Welt (2005)