Popliteratur

Der Begriff Popliteratur[1] ist nicht leicht zu definieren. Die kommerzielle Gattung hat ihre Wurzeln in den 1920er Jahren. Sie möchte das junge Publikum ansprechen und nimmt ihren Ausgangspunkt in deren Alltagskultur. Sie etabliert sich schon in den 1950er Jahren[2] in Deutschland und erreicht in den 1990er Jahren ihren Höhepunkt. Sie stellt einen Bruch mit den traditionellen Literaturformen dar und möchte die Aspekte der Massen- und Alltagskultur in ihre Werke aufnehmen.

Die Popliteratur ist vielfältig und hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt: Die ursprüngliche Protestbewegung orientiert sich später an der Konsumgesellschaft. Die Autoren beschreiben in ihren Werken junge, meistens moderne gescheiterte, indifferente oder unreife Protagonisten und gesellschaftliche Außenseiter, die im Laufe der Geschichte eine gewisse Wandlung erleben. Der Icherzähler gibt die nahe Wirklichkeit und seinen Alltag mittels unmittelbarer Eindrücke detailliert wieder.

Der leicht verständliche, jugendliche Sprachstil ist durch den Gebrauch von Umgangs-, Slang- und Szenesprachen und einfache syntaktische Strukturen gekennzeichnet. Eine authentische Alltags- und Umgangssprache wird bevorzugt. Die Werke enthalten Anglizismen, spezifische Begriffe aus der Mode- oder Reklamewelt, aus der Musik oder intertextuelle Verweise: z.B. Zitate aus den Medien oder berühmten Songs. Die Schriftsteller benutzen auch die Techniken des Labelcrashings[3] und Namedroppings[4]. Die Werke haben ein offenes Ende.

Die Motive der Popliteratur sind Gewalt, Drogen, Sex, Musik, Exzesse, Glamour, Party, Reisen, Adoleszenzproblematik und jugendliche Subkultur. Die Einsamkeit, Entfremdung, Selbstfindung und Oberflächlichkeit des selbstinszenierten Icherzählers sind ebenfalls beliebte Themen. Die Popliteratur verkündet keine dezidierte politische Botschaft: Die Protagonisten sind häufig Lebensgenießer auf einem Ego-Trip. Sie blicken zynisch auf eine Welt, in der für sie nur noch der Genuss zählt und ihnen alte Werte und politisches Interesse nichts bedeuten. Dadurch wird die postmoderne junge Partyszene der 1990er Jahre in Deutschland (Rave-, Technoszene) abgebildet und kann sich wiedererkennen.

Die Popliteratur feiert großen Erfolg durch ihren Unterhaltungswert. Ihre Popularität wird an den Verkaufserfolgen und der Medienpräsenz gemessen. Sie ist für die junge Zielgruppe leicht lesbar und zeigt oft satirische und ironische Untertöne. Bekannte Vertreter der Popliteratur sind unter anderem Christian Kracht, Rainald Goetz, Alexa Henning von Lange und Benjamin von Stuckrad-Barre.

Bezeichnung

Popliteratur circa 1968 - ? 

Wichtige Werke

Faserland (1995)

Soloalbum (1998)

Merkmale

  • Populäre Jugendliteratur
     
  • Merkmale: Ich-Bezogenheit, Oberflächlichkeit, Selbstinszenierung, Suche nach Identität, Einsamkeit, Entfremdung, Wertungslosigkeit
     
  • Unpolitische, zynische Weltsicht
     
  • Themen: Gewalt, Drogen, Sex, Glamour, Party, Reisen
     
  • Sprachstil und Schreibweise der Umgangs-, Slang- und Szenesprachen, Codierung
     
  • Fokus auf Musik, Mode, Marken und Lifestyle

[1] Von dem Begriff Pop-Art abgeleitet.

[2] Heinrich Böll übersetzt 1956 J.D. Salingers Roman „The Catcher in the Rye“ (1951) ins Deutsche: „Der Fänger im Roggen“.

[3] Benennung bekannter Markennamen

[4] Aufzählung mehrerer mehr oder weniger berühmter Namen