Nachkriegsliteratur

Trümmerliteratur, BRD- und DDR- Literatur 

Der Oberbegriff „Nachkriegsliteratur“ charakterisiert, wie der Name bereits andeutet, jene Werke, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verfasst worden sind. Die Erzählungen befassen sich mit der Frage nach der Schuld am Konflikt und am Holocaust, mit der Aufarbeitung der traumatischen Kriegserlebnisse und mit der Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit, die besonders in den 1950er-Jahren in Deutschland vorherrscht (Quelle).

Allgemein bezeichnet die Nachkriegsliteratur die 22-jährige Periode von 1945 bis zum Jahre 1967 in der BRD. Sie umfasst zunächst die Trümmerliteratur, die zwei ersten Phasen der Literatur der BRD und hauptsächlich die erste Phase der Literatur der DDR.

Die Trümmerliteratur (1945-1950) beschäftigt sich mit der unvorstellbaren Grausamkeit und den Zerstörungen, die im Namen des deutschen Volkes aus rassischen oder nationalistischen Gründen verübt worden sind und die das Leben von 6 Millionen Juden vernichtet haben. Sie schildert auch realitätsnah die tragische Situation von Millionen von Heimkehrern und der verzweifelten Menschen, die ihre Familie im Krieg verloren haben.

In den 50er-Jahren wird die NS-Vergangenheit thematisiert, aber auch der Korea-Krieg (1950-1953), die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (1957) und vor allem die Wiederbewaffnung und die Atomrüstung wecken Proteste bei den Schriftstellern.

In den 60er-Jahren beschäftigt die Frage nach Schuld und Unschuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten die junge Generation. Die 68er-Bewegung prangert öffentlich die starren moralischen und gesellschaftlichen Strukturen, die rigide zeitgenössische Sexualmoral, den Vietnamkrieg und immer noch die Nichtaufarbeitung der unbewältigten nationalsozialistischen Vergangenheit an.

Nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 7. Oktober 1949 steht die DDR-Literatur zunächst im Zeichen des Antifaschismus und erhält bald die Funktion, die DDR-Bürger zum Sozialismus zu erziehen.

Gruppe 47

Die Nachkriegsliteratur ist mit der Entstehung und Entwicklung der Gruppe 47 eng verbunden. Auf informelle Einladung des Autors und Initiators Hans Werner Richter treffen sich noch junge und unbekannte Autoren zum ersten Mal im namensgebenden Jahr 1947. Zunächst wünschen sich die Literaten nach den Kriegsjahren und dem Nationalsozialismus einen demokratischen Neuanfang in der Gesellschaft und wollen dazu einen Beitrag leisten.

Der lose Zusammenschluss von Schriftstellern wie Hans Werner Richter, Alfred Andersch, Heinrich Böll, Siegried Lenz, Günter Grass, Martin Walser, Paul Celan und von Lektoren*innen, die eine Zeit lang Mitglieder der Gruppe sind, sowie Literaturkritikern*innen wie Marcel Reich-Ranicki erlangt über die Jahre zunehmend Einfluss und Berühmtheit. Der Schriftsteller- und Kritikerkreis trifft sich zuerst halbjährlich, später bis 1967 jährlich in wechselnden Besetzungen an verschiedenen Orten.

Die dreitägigen Zusammenkünfte dienen der gegenseitigen Kritik der vorgelesenen Texte und der Unterstützung der Arbeit der anderen Teilnehmer. Auch werden jüngere, noch unbekannte Autoren*innen ab 1950 durch den „Preis der Gruppe 47“ gefördert. Aus den Gesprächen und Kritiken entwickelt sich schlagartig ein literarischer Jahrmarkt. Die Zusammentreffen bilden eine günstige Chance für die Autoren*innen, Kontakte zu Verlegern zu knüpfen und ihre Werke zu veröffentlichen.

Am Anfang der Sechzigerjahre treten aber immer mehr interne Spannungen aufgrund politischer Unstimmigkeiten zwischen den jüngeren und älteren Teilnehmern*innen zutage. Im Jahr 1967 findet die letzte Tagung der Gruppe statt, die sich anschließend auflöst und gleichzeitig das Ende der Epoche „Nachkriegsliteratur“ ankündigt.

Die Spuren der Nachkriegsliteratur

Epochengrenzen sind in der Regel nicht ganz einfach festzustellen, da die Übergänge zwischen den aufeinanderfolgenden Epochen häufig fließend sind. So zieht die Nachkriegsliteratur auch ihre Spuren bis heute in vielen Werken. Hier werden einige Beispiele gegeben.

Die komplexe Erzählstruktur von Jurek Beckers Roman Jakob der Lügner (1969) berührt nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart im Nachkriegsdeutschland und führt dem Leser den Holocaust vor Augen, ohne jedoch seine Grausamkeit darzustellen.

Der stark autobiografische Roman von Judith Kerr Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (1971) erzählt die Geschichte des jüdischen Mädchens Anna, die mit ihrer Familie 1933 kurz vor Hitlers Machtergreifung in die Schweiz flieht. Später zieht sie dann nach Paris und schlussendlich nach London.

Der gelbe Vogel (1977) spielt in den 1940er-Jahren in Queens, New York. Alan und das jüdische Flüchtlingsmädchen Naomi leben im gleichen Haus. Die zwölfjährige Naomi ist schwer durch die Kriegsereignisse, die sie, als sie ein Kind war, in Frankreich erlebt und durchlitten hat, traumatisiert. Die Erzählung berichtet davon, welche schrecklichen Konsequenzen der Antisemitismus haben kann und wie schwierig es ist, psychische Schäden zu heilen: 

John Boynes Buch Der Junge im gestreiften Pyjama (2006) schildert die ungeheuerliche und abschreckende Wirklichkeit der Nazizeit durch die naiven Augen des 9-jährigen Bruno.

Die Haupthandlung des Romans Der Trafikant (2012) des österreichischen Schriftstellers Robert Seethaler spielt 1937/38 vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Machtergreifung und des Antisemitismus in Österreich.

Der Roman des österreichischen Schriftstellers Arno Geiger Unter der Drachenwand (2018) erzählt die Geschichte des jungen Wehrmachtssoldaten Veit Kolbe, der 1944, nachdem er bereits mehrere Jahre im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront gekämpft hat, wegen einiger Verletzungen auf Genesungsurlaub nach Hause geschickt wird.

Unsere Werke

Draußen vor der Tür (1947)

Das Brot(1947)

Die Küchenuhr (1947)

Nachts schlafen die Ratten doch(1947)

Die Kirschen (1947)

Biedermann und die Brandstifter (1958)

Die Blechtrommel (1958) 

Andorra (1961)

Damals war es Friedrich (1961)

Ansichten eines Clowns (1963)