Literatur der Wende

Als Literatur der Wende werden diejenigen Werke bezeichnet, die sich mit den kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen des Mauerfalls am 9. November 1989 beschäftigen. Die Werke sind sehr vielfältig in ihrer Form und ihrem Stil und sind durch ihre unterschiedlichen lyrischen Konzepte gekennzeichnet.

In den Jahren nach der Wiedervereinigung lässt die erste Begeisterung der etablierten Autoren aus der ehemaligen DDR schnell nach. Sie stellen fest, dass nach der Gründung die Etablierung des neuen gesamtdeutschen Staates nicht problemlos vor sich gehen wird.  Ihre verlorene gesellschaftliche Position führt zu einer gewissen Sprachlosigkeit. Viele suchen nach einem neuen Selbstverständnis und brauchen eine literarische Pause, um auf die veränderte politische Situation reagieren zu können.

Nach der Wende tritt eine jüngere Generation von unbekannten Schriftstellern in den Vordergrund, die nicht in das ostdeutsche Literatursystem involviert waren und die als Jugendliche in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind. Aber nicht jeder Autor der Wendeliteratur hatte seinen Lebensmittelpunkt in der DDR, auch Autoren aus dem Westen beschäftigen sich nach der Wende mit Themen, wie dem gespaltenen Deutschland oder der Wiedervereinigung (z. B. Günter Grass). 

Erst in den 1990er Jahren verfassen die Schriftsteller bedeutende Werke, die die alte Gesellschaft und die radikalen Gesellschaftsänderungen in der DDR behandeln. Einige Autoren benutzen die Formen satirischer, fragmentarischer oder parabolischer Erzählungen und wenden mythologische und historische Motive an, um ihre Enttäuschungen, Kritik oder ihren Utopieverlust zu schildern.

Die Wenderomane vermitteln einen Einblick in die Vergangenheit der ehemaligen DDR: Sie erzählen von dem Privatleben der Bürger und den zeitgenössischen sozialen und politischen Missständen, manchmal auf eine lustige, manchmal auch auf eine ironische oder schonungslose Art. Einige Autoren erinnern sich nostalgisch an ihre alte Heimat, andere kommentieren resigniert als Beobachter den Untergang des alten sozialistischen politischen Systems. So entsteht eine ganze Reihe von Werken, die sich jeweils auf ganz unterschiedliche Weise mit der ehemaligen DDR auseinandersetzen.

Bekannte Vertreter der Literatur der Wende sind unter anderen Thomas Brussig, Ingo Schulze, Clemens Meyer Uwe Tellkamp, Christa Wolf und Günter Grass.

Bezeichnung

Literatur der Wende 1990-2015

Wichtige Werke

„Ein weites Feld“ (1995)

„Helden wie wir“ (1995) 

Medea. Stimmen (1996)

Am kürzeren Ende der Sonnenallee (1999)

„Der Turm“ (2008)

„Adam und Evelyn“ (2008)

Merkmale

  • Schilderung der kulturellen, sozialen und politischen Folgen des Mauerfalls und der Wiedervereinigung
  • Vielfalt der Form, des Stils und der Perspektiven
  • Beschreibung des Alltags und der Missstände in der ehemaligen DDR
  • Motive: Utopieverlust, Resignation, „Ostalgie“
  • Themen: Meinungs- und Pressefreiheit, gesellschaftliche Missstände