Literatur der BRD

Die historische Periode der Literatur der BRD zwischen 1949 und 1990 beginnt, historisch gesehen, mit der Teilung Deutschlands in zwei Staaten: Die BRD (Bundesrepublik Deutschland) erhält ihr Grundgesetz am 23. Mai 1949 und die DDR (Deutsche Demokratische Republik) wird am 7. Oktober 1949 gegründet. Die Epoche endet mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Republiken am 3. Oktober 1990.

Die Zeitspanne von vierzig Jahren ist durch wichtige Faktoren, wie den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, das Wirtschaftswunder, den Kalten Krieg und dann die Entspannungspolitik zwischen der BRD und dem Ost-Block geprägt.  Diese historischen Ereignisse und die gesellschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik spiegeln sich in den Werken der zeitgenössischen Schriftsteller wider.

Die literarische Epoche kann grob in vier Perioden unterteilt werden:

1. Periode - Die 1950er Jahre: Kritik an der Wohlstandsgesellschaft, an der NS-Vergangenheit, an dem Militarismus

Der Aufbau der BRD steht auf der Tagesordnung und die Zeit des Wirtschaftswunders beginnt. Viele Schriftsteller sind kritisch gegenüber der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung eingestellt. Mehrere Autoren befürchten den Ausbruch eines neuen Weltkriegs und warnen vor der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (1957), vor der Wiederbewaffnung und der atomaren Aufrüstung. Die NS-Vergangenheit wird auch in dieser Periode in Romanen thematisiert. Die sich entwickelnde Wohlstandsgesellschaft wird in satirischer Weise veranschaulicht. Kurzgeschichten und Lyrik sind in diesem produktiven Zeitraum als Textformen sehr beliebt.

2. Periode – Die 1960er Jahre: Gesellschaftliches und politisches Engagement

Diese Phase ist vor allem durch den Kalten Krieg, die wirtschaftliche Stagnation und die Studentenrevolte von 1968 geprägt.  Die Frage nach Schuld und Unschuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten beschäftigt die junge Generation immer noch und die Verleugnung und Verneinung der unbewältigten Vergangenheit werden öffentlich angeprangert. Die Schriftsteller engagieren sich zunehmend politisch in ihren Werken und suchen eine Identität. Die eigenen Erfahrungen werden geschildert und die Erzählungen sind teilweise autobiografischer oder dokumentarischer Natur. Die Autoren kritisieren die konventionellen Denkweisen. Der Roman erlebt in dieser Phase einen großen Aufschwung.

3. Periode – Die 1970er und 80er Jahre: Neue Subjektivität

Diese Periode ist durch Terrorismus, Aktivismus, wirtschaftliche Probleme und politische Unruhen gekennzeichnet. Die Literatur macht eine Tendenzwende durch. Die Schriftsteller distanzieren sich vom politischen Leben und kehren in ihren Werken thematisch zur eigenen Identität und Individualität zurück. Diese Zuwendung zum eigenen Ich und den inneren Befindlichkeiten wurde als die "Neue Innerlichkeit" und "Neue Subjektivität" bezeichnet.

4. Periode – Die 1980er Jahre:  Annährung von DDR- und BRD-Literatur / Beginn der Postmodernität

In den 1980er Jahren siedeln zahlreiche ostdeutsche Schriftsteller in die BRD über. Daraus resultieren Ausgleichstendenzen und es kommt zu einer Überwindung der Trennung zwischen der west- und der ostdeutschen Literatur (siehe Literatur der DDR).

Die Strömung der Postmoderne beginnt, sich in dieser Periode zu etablieren. Die Autoren verzichten auf lineare und chronologische Erzählungen und treten hinter ihre Texte zurück. Hinweise auf reale historische Ereignisse, auf Montagetechnik und Intertextualität sind häufig in den individuellen und durchorganisierten postmodernen Texten zu finden (siehe Postmoderne).

Insgesamt entwickelt sich in der BRD vor dem Fall der Mauer eine vielgestaltige Literatur, die vielfältige Stilverfahren miteinander kombiniert.

Wichtige Werke

Tauben im Gras (1951)

Sansibar oder der letzte Grund (1957)

Die Blechtrommel (1959)

Ansichten eines Clowns (1963)

Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1974)

Werke der Postmoderne 

Merkmale

  • Beginnt nach der Gründung der BRD und endet bei der Wiedervereinigung
  • Besteht aus mehreren zeitlich voneinander abgrenzbaren Phasen
  • Thematische Widerspiegelung der zeitlichen und gesellschaftlichen Entwicklung
  • Vielfältigkeit der Themen und der Stilformen