Exilliteratur

Die deutsche Exilliteratur (1933–1945) umfasst die literarische Produktion der unter dem NS-Regime emigrierten Schriftsteller. Diese müssen aufgrund ihrer Religion oder ihrer kritischen Meinungen fliehen. Sie werden verfolgt oder sind Berufsverboten ausgesetzt. Ihre Bücher werden von den Nationalsozialisten verbannt und teilweise sogar öffentlich verbrannt.

Die jüdischen, pazifistischen und/oder sozialistischen Schriftsteller suchen zuerst in europäischen Ländern, besonders in Prag und Paris, Zuflucht. Sie müssen aber häufig aufgrund der Entwicklung der politischen Situation weiter umsiedeln. Viele Exilanten, wie zum Beispiel Bertolt Brecht, Alfred Döblin und Thomas Mann, wandern in die USA aus. Den kommunistischen Autoren wird dort die Einreise verweigert. Diese emigrieren dann nach Mexiko, wie Anna Seghers, oder in die Sowjetunion.

Manche Schriftsteller, wie zum Beispiel Kurt Tucholsky, Ernst Toller, Ernst Weiß oder Stefan Zweig, begehen im Exil Selbstmord. Andere, wie Thomas Mann und Anna Seghers, bleiben politisch aktiv.Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehren einige Autoren sofort in die Heimat zurück. Andere, wie Anna Seghers, die erst 1947 nach Deutschland zurückkommt, warten einige Jahre, bevor sie sich entschieden, Deutschland wiederzusehen.

Im Exil leben einige Schriftsteller in finanzieller Not und verstummen. Andere können aufgrund ihrer internationalen Bekanntheit weiter arbeiten. Die generelle schlechte ökonomische Situation und die Einsamkeit der Autoren begrenzen ihre Produktion und ihre Möglichkeit zu publizieren. Manche Autoren finden einander aber auch im Exil wieder: In Santa Monica halten sich in den 1940er-Jahren sowohl Heinrich und Thomas Mann als auch Bertolt Brecht und einige andere deutsche Autoren auf. Die Exilliteratur erhält keinen Zugang im Dritten Reich. Erst nach dem Ende des Krieges wird ein Großteil davon veröffentlicht. 

Durch die Erzählprosa, den Roman oder die Reportage wird sehr oft der Widerstand gegen den Nationalsozialismus direkt oder indirekt bearbeitet. Doch häufig wird darüber, was sich in der Heimat abspielt, nur im übertragenen Sinne berichtet, denn die Autoren haben es schwer, sich verlässliche Informationen aus Deutschland zu verschaffen. Dazu wird zum Beispiel historischer Stoff oder das epische Theater benutzt. Autobiografische Erzählungen dienen dazu, das Erlebte aufzuarbeiten. Einige Autoren verfassen Naturgedichte und Liebeslyrik, weil sie unter Heimweh leiden. 

Berühmte Exilautoren sind unter anderen Robert Musil, Alfred Döblin, Oskar Maria Graf, Heinrich Mann, Klaus Mann, Thomas Mann, Erich Maria Remarque, Carl Zuckmayer, Stefan Zweig und Anna Seghers. Als Dramatiker und Literaturtheoretiker ist Bertolt Brecht ein wichtiger Repräsentant der Exilliteratur. In dieser Periode entwickelt er das epische Theater als neue literarische Form.

Merkmale

  • Entsteht in Ausland aufgrund der politischen oder religiösen Verfolgung unter dem NS-Regime, Widerstand gegen Faschismus und Nationalsozialismus
  • Themen: Verlust der eigenen Kultur, existenzielle Probleme, Sehnsucht nach der Heimat
  • Stilpluralismus: Erzählprosa, Lyrik, episches Theater
  • Veröffentlichung weitgehend nach dem Krieg

Wichtige Werke

Die heilige Johanna der Schlachthöfe (1931/1937)

Der gute Mensch von Sezuan (1938/1940)

Das Leben des Galilei (1939/1943)  

Transit (1944)